Freies Theater in der Region Hannover


Die Theaterszene in der Region Hannover lässt sich schwer in Genres fassen.

Wegen ihrer großen Vielfalt: Man findet alles, von klassischem Schauspiel und multimediale Inszenierungen über szenischmusikalische Experimente und Entertainment bis zu modernem, zeitgenössischem Tanztheater, Figurentheater, Kinder- und Jugendtheater und Produktionen, die alle Altersgruppen anziehen.

Die Spielstätten sind auf stillgelegten Fabrikgeländen zu finden, in einer alten Tankstelle, einem ehemaligen Kulissendepot oder auch in einem leerstehenden Supermarkt. Die Schul- und Kulturdezernentin der Stadt Hannover Marlis Drevermann benennt Statistiken, nach denen die Region Hannover die größte Theaterdichte im Bundesgebiet hat. Selbst wenn es Regionen mit noch mehr Theater geben sollte – die Hannoveraner lieben ihre Theater und sind ein anhängliches Publikum.

Boxen-Team

Mit der Idee, Theater zu machen, ohne Stücke zu spielen, darzustellen, ohne Schauspieler zu sein und etwas zu erzählen, ohne Texte zu gebrauchen, gründeten zehn Menschen aus verschiedenen Bereichen 1994 in Hildesheim das Boxen-Team. Die erste Produktion ›Boxen‹ gab der musikorientierten Performancegruppe ihren Namen. Ohne es geplant zu haben, treffen sie mit ihren Produktionen den Zeitgeist der neunziger Jahre: Pop. Sie sind laut, schnell, bunt und sexy.

Die Gruppe sucht und findet. Sie sucht das Leben im Theater und will die Trennung zwischen Kunst und Leben negieren. Es geht um Rhythmus, Timing und Feeling. Ein Stück des Boxen-Teams ist wie ein guter Song. Einen Einschnitt in ihrem künstlerischen Prozess stellt der Tod des Boxen-Team Schlagzeugers dar.

Sie hinterfragen ihre Werte und beginnen sich mit ihren Biografien zu beschäftigen. Das Ergebnis Produktion ›Stoxx‹, wird 1999 in Hildesheim und Weimar gezeigt. 2000 hat ›Deutsche Psyche‹ beim Arena-Expo-Festival in Hannover Premiere. In einer inszenierten Pressekonferenz erklärt das Boxen-Team seinen Ausstieg aus der Kunst und thematisiert gleichzeitig die Unmöglichkeit eines gesellschaftlichen Ausstiegs. Als Grundlage für ›Capri bei Nacht‹, eine crossmediale Performance, die 2001 entsteht, dienen dreizehn Arbeiten des 1997 verstorbenen Martin Kippenberger. Mit ›Radio Revolution‹ in der Regie von Sabrina Zwach eröffnet das Boxen-Team 2004 das ›Volker hört die Signale‹-Festival in Jena. 2006 spielt der Volkbühnenschauspieler und Filmregisseur Herbert Fritsch in der Produktion ›Angst‹.

Das Boxen-Team behauptet sich als ein Ort der interdisziplinären Feldforschung und des künstlerischen Experiments.


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