Was sagen die Parteien zu Tanz und Theater?

Plattform Darstellende Künste stellt Wahlprüfsteine und Antworten der Parteien vor.

Erstmalig haben acht bundesweite agierende Verbände und Institutionen für Tanz und Theater anlässlich der Bundestagswahl gemeinsam Fragen an die im Bundestag vertretenen Parteien sowie die Piratenpartei gestellt. Die Verbände wollten wissen, welche politischen Schwerpunkte in der kommenden Legislaturperiode von den Parteien für den großen und wachsenden Bereich der Darstellenden Künste in nicht-öffentlicher Trägerschaft zu erwarten sind.

Die Antworten aller Parteien stellten die Verbände am Mittwoch, 4. September im Kunstquartier Bethanien in Berlin vor.

Kernthemen waren die soziale und wirtschaftliche Lage der Künstlerinnen und Künstler, Förderpolitik, kulturelle Bildung, Kulturpolitik in Europa sowie die Kultur- und Kreativwirtschaft. Aus den Antworten der Parteien leitet die Plattform ihre zentralen Forderungen zu den einzelnen Bereichen ab:

Die Verbände fordern von den Parteien ein schlüssiges Konzept zur Sicherung der sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler. Dazu bedarf es nicht nur eines allgemeinen Bekenntnisses zur Künstlersozialkasse. Die Verbände erwarten, dass von Seiten des Bundes umgehend alles dafür getan wird, dass die Künstlersozialkasse auf der Basis stabiler Abgabesätze sowie durch Klarstellung und Durchsetzung der gesetzlichen Abgabepflichten der Verwerter ihren wichtigen Beitrag zur sozialen Sicherung schutzwürdiger Kulturberufe weiter leisten kann.

Die Plattform drängt auf eine deutliche Erhöhung der Fördermittel für die Darstellenden Künste zur Stärkung der Förderinstitutionen, für Produktionsstrukturen und der Entwicklung nachhaltiger Förderinstrumente. Hierzu gehört nicht zuletzt die Sicherstellung von Mindesthonoraren. Dem Bund kommt hier eine wichtige Vorbildfunktion für die Gewährleistung guter Arbeitsbedingungen projektgebundener Kulturarbeit zu.

Grundsätzlich positiv bewerten die Verbände Initiativen der Politik hinsichtlich der Entwicklung und Förderung der Kulturellen Bildung. Diese dürfen jedoch nicht dazu führen, dass Kulturförderung und -sicherung in der Förderpolitik unter das Thema „Kulturelle Bildung“ subsumiert werden.

Mit Blick auf Europa und das neue Programm „Kreatives Europa“ erwarten die Verbände eine klare und interministeriell koordinierte Absage an jegliche Bestrebungen zur Überführung des kulturellen Sektors in den Bereich kommerzieller Dienstleistungen sowie den Aufbau einer nationalen Komplementärfinanzierung für internationale Kooperationsprojekte.

Auch im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft sollte die Kulturförderung gestärkt werden. Sie muss in den kommenden vier Jahren endlich auch durch eine offenere Wirtschaftsförderung mit Instrumenten wie der Messe- und Exportförderung für die Darstellenden Künste ergänzt werden.

Mit Blick auf die 18. Legislaturperiode erwarten die Verbände von den Parteien eine weitere Stärkung der Kulturpolitik als ressortübergreifende Querschnittsaufgabe. Sie unterstreichen ihre Forderung nach einem intensiven Dialog zwischen der Politik, den Förderern und den Akteuren in Städten, Ländern und beim Bund. Wesentliche Impulse hierzu wie auch zur Stärkung der Finanzausstattung der Kommunen müssen in der kommenden Legislaturperiode auch vom Deutschen Bundestag ausgehen.

Die Ausarbeitung der Wahlprüfsteine ist eines der ersten Projekte der Plattform Darstellende Künste. Zur Plattform gehören der Bund Deutscher Amateurtheater, der Bundesverband Freier Theater, der Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum, der Dachverband Tanz Deutschland, die Dramaturgische Gesellschaft, der Fonds Darstellende Künste, das Internationale Theaterinstitut und der Verband Deutscher Puppentheater. Ziel der Plattform ist es, Konzepte für eine Weiterentwicklung der Darstellenden Künste zu erarbeiten und den kulturpolitischen Dialog darüber zu intensivieren.

Die Wahlprüfsteine und Antworten der Parteien – in einer Übersicht und im Wortlaut – sind abrufbar unter:

Bundesverband Freier Theater: www.freie-theater.de