20 Jahre Bundesverband Freier Theater


1. bundesweiter Kongress für Freischaffende Darstellende Künstler.

2010 wird der Bundesverband Freier Theater (BuFT) 20 Jahre alt. Das Gründungsdatum war der 25. März 1990. In den Flottmannhallen in Herne waren über 300 Freie Tanz- und Theaterschaffende zusammengekommen, „um über Sinn und Zweck eines solchen Verbandes zu diskutieren, der die Interessen Freier Theater bundesweit vertreten soll“. Mitglieder des Bundesverbandes konnten laut Gründungssatzung regionale Zusammenschlüsse Freier Theater werden.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten: Kooperative Freier Theater NRW, Landesverband Freier Theater Hessen, SPOTT Berlin (Selbsthilfeprojekt von OFF-Theatern und Theatergruppen) und der Verein zur Förderung der Professionellen Freien Theater in Norddeutschland. Vertreter Freier Theater aus Baden- Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz nahmen ebenfalls an der Gründungsversammlung teil.

In den Vorstand wurden damals gewählt

  • 1. Vorsitzender: Stefan Kuntz (Köln)
  • Stellv. Vorsitzender: Peter Henze (Hannover)
  • Sprecher: Gerd Hunger (Berlin) und Jörg Berger (Wuppertal)
  • Schriftführer: Gordon Vajen (Frankfurt)

Als erste Aufgaben des Bundesverbandes Freier Theater wurden festgelegt:

  1. Interessenvertretung in struktureller und finanzieller Hinsicht für die Freien Theater 
  2. Wahrnehmung der Interessen Freier Theater im Deutschen Kulturrat, Sektion Darstellende Künste, und im Fonds Darstellende Künste 
  3. Hilfe für die Gründung von Regionalverbänden in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
  4. Kontaktaufnahme zu Freien Theatergruppen in der ehemaligen DDR
  5. Informationsdienst an Mitglieder über Festivals und Zuschussmöglichkeiten, Weitergabe von Arbeitsgesuchen von SchauspielerInnen, RegisseurInnen und Theatern
  6. Schaffung von attraktiven Fortbildungsangeboten für Freie Theatermacher in Berlin, Wolfenbüttel, München, Recklinghausen, und anderswo
  7. Kampagne für faire Einnahmenteilung und Verträge mit Veranstaltern
  8. Verbesserung der sozialen Sicherheit der Freien Theater
  9. Protest gegen eine Kulturförderungspolitik, die nur dem Image der öffentlichen Geldgeber dient und einer angemessenen Förderung der ›Kultur vor Ort‹ die Mittel entzieht

Schon im Jahr 1992 erfolgte eine Neufassung der Satzung, die noch heute Gültigkeit besitzt. Vor allem die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft im Bundesverband wurden grundlegend geändert. Die ›regionalen Zusammenschlüsse Freier Theater‹ sollten sich fortan in Landesverbänden Freier Theater organisieren, um einigermaßen überschaubar in der bundesweiten Interessenvertretung eine ausgewogene Struktur mit ausgewogenen Stimmenverhältnissen zu garantieren.

Es folgte eine Vielzahl an Neugründungen von Landesverbänden in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Niedersachen. Etwas später kamen Hamburg und Sachsen-Anhalt hinzu.

Mit viel Idealismus begann man, über diese Verbandsstrukturen die Kulturpolitik in den Ländern und im Bund über die Arbeit der Freien Theater zu informieren und die Problemstellungen insbesondere in sozialer Hinsicht zu formulieren. In einigen Ländern jedoch kamen mangels finanzieller Förderung die Vereinsaktivitäten relativ schnell wieder zum Erliegen. Feste Verbandsstrukturen mit hauptamtlichen Geschäftsstellen konnten nach Nordrhein-Westfalen nur in Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt geschaffen werden. Diese Verbände bildeten lange Zeit den Kern der bundesweiten Vertretung Freier Theater in Deutschland.

Stefan Kuntz leitete 11 Jahre lang bis 2001 die Geschicke des Verbandes und konnte den BuFT in wichtigen Gremien von Institutionen wie Künstlersozialkasse, Deutscher Kulturrat oder Fonds Darstellende Künste etablieren. Mit Kirsten Hass, damalige Geschäftsführerin des Landesverbandes Freier Theater in Niedersachsen, als 1. Vorsitzende, Jochen Brockstedt, Kooperative Freier Theater NRW, Frank Reich, Landesverband Freier Theater Brandenburg, Katrin Brademann, Landeszentrum ›Spiel & Theater‹ Sachsen-Anhalt e.V., und Alexander Opitz, Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg übernahm eine Generation von Geschäftsführern professionalisierter Landesverbände das Ruder, die die erfolgreiche Arbeit von Stefan Kuntz weiterführten und durch kontinuierliche, fundamentierte, realitätsorientierte Arbeit den BuFT zu einem seriösen Ansprechpartner für die Bundespolitik aufbauen konnten. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass alle Vorstandsmitglieder ehrenamtlich arbeiten, für ihre teilweise sehr umfangreiche Arbeit also nicht vergütet werden.

Nach dem Wechsel von Kirsten Hass zur Bundeskulturstiftung im Jahr 2006 übernahm Alexander Opitz den Vorsitz des Bundesverbandes Freier Theater. Im Jahr 2007 lag die Hauptgewichtung der Arbeit des BuFT in der Wiederbelebung brachliegender und der Gründung neuer Landesverbände, um dem Anspruch einer bundesweiten Interessenvertretung Freier Tanz- und Theaterschaffender von gesamtstaatlicher Bedeutung auch wirklich gerecht zu werden und vor allem flächendeckend auch den Einfluss Freier Darstellender Künstler auf wichtige, kulturpolitische Entscheidungen des Bundesverbandes zu ermöglichen.

So wurden vor allem durch das große Engagement Freier Darstellender Künstler vor Ort die Verbände in Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz wieder aktiviert. Neugründungen gab es in Berlin, Sachsen und dem Saarland. Von den 16 Bundesländern verfügen lediglich Bremen, Schleswig-Holstein und Thüringen bisher über keine Interessenvertretungen, was auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass zumindest in den letztgenannten Ländern mangels einer auch nur ansatzweise ausreichenden Förderung keine ausgeprägte Freie Szene existiert. In Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es mittlerweile aus Landesmitteln geförderte Geschäftsstellen, und es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch in den Ländern und Stadtstaaten, in denen die Verbände mit sehr großem Engagement von Künstlern für Künstler ehrenamtlich geleitet werden, die Einsicht kommen wird, dass eine professionelle freie Szene eine professionelle Interessenvertretung braucht.

Die Erfahrung zeigt, dass vor allem in den Ländern, in denen es hauptamtlich besetzte Geschäftsstellen gibt, die Freien Theater im Verhältnis nicht nur über die besseren Förderstrukturen und Rahmenbedingungen verfügen, sondern auch den höchsten Professionalisierungsgrad vorweisen können. Die jeweiligen Ministerien für Kultur schätzen die Arbeit der Landesverbände, da sie hinsichtlich der teilweise komplizierten und sensiblen Freien Szene einen kompetenten Ansprechpartner haben, der in jeglicher Hinsicht Auskunft geben und notwendige Bedürfnisse formulieren kann.

Von großer Bedeutung für den BuFT sind die seit dem Jahr 2007 dauerhaften Kooperationen mit genrespezifischen Interessenverbänden wie dem Dachverband Tanz Deutschland, dem Bundesverband der Theater im öffentlichen Raum und dem Verband Deutscher Puppentheater. Dies macht schon deshalb Sinn, da das genreübergreifende Arbeiten in der freien Szene heute eher die Regel als eine Ausnahme ist. Und gerade in Zeiten, in denen sich Verteilungskämpfe ankündigen, ist es für die Freie Szene in seiner Gesamtheit wichtig, dass sich die verschiedenen Interessenvertretungen nicht auseinanderdividieren lassen, sondern sich absprechen, um gemeinsam Forderungen zu formulieren, von denen alle profitieren. Ansonsten wäre es unausweichlich, dass man irgendwann gegeneinander arbeitet. In diesem Fall würde es nur Verlierer geben.

Die in den letzten 20 Jahren geleistete Arbeit wurde in diesem Jahr honoriert, indem der BuFT auf seinen Projektförderungsantrag hin zum ersten Mal durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien eine Fördersumme in Höhe von 100.000,00 Euro zugesprochen bekam. Ein wesentlicher Teil des Antrags ist für die Durchführung eines 1. Kongresses des Bundesverbandes Freier Theater für Freie Darstellende Künstler vorgesehen.


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