Theater Aspik

Theater ASPIK ist eine freie Gruppe aus Hildesheim, die als Kollektiv interdisziplinäre Theaterproduktionen in unterschiedlichen Formaten entwickelt. Vom experimentellen Kammerspiel über installative Arbeiten an theaterfremden Orten bis zur Auseinandersetzung mit klassischen Stoffen in großen Bühnenformaten und partizipativen Landschaftstheaterstücken umfasst die Arbeit von ASPIK ein breites Spektrum im Bereich der Darstellenden Kunst. Die Inszenierungen werden als Eigenproduktionen oder Koproduktionen mit verschiedenen Institutionen und Theatern im deutschsprachigen Raum zur Aufführung gebracht.

2015 wurde die Gruppe für das Projekt „Was kann ich für eure Welt“ mit dem BKM-Bundespreis ausgezeichnet. Und 2016 bekam Theater ASPIK für das aktuelle Stück POINT OF NO RETURN den Theaterpreis der Bürgestiftung Hildesheim.

Das Ensemble erhielt 2000-2012 eine Konzeptionsförderung vom Land Niedersachsen. und von 2012-2014 hat Theater ASPIK zusammen mit dem Staatsschauspiel Dresden im Rahmen des Doppelpass-Programms der Bundeskulturstiftung mit „Was kann ich für eure Welt“ zwei Großprojekte im ländlichen Raum von Sachsen entwickelt. Jeweils einmal im Jahr erarbeitet das Team von Theater ASPIK in Kooperation mit dem „Forum für Kunst und Kultur" in Heersum ein Landschaftstheaterprojekt in Niedersachsen mit zahlreichen Laiendarstellern.

Die Gruppe wurde bereits 1988 von AbsolventInnen der Kulturwissenschaften der Universität Hildesheim gegründet, als eines der ersten freien Theater, die aus diesem Studiengang hervorgegangen sind. Später sind Schauspieler/Tänzer/Musiker aus anderen Zusammenhängen dazu gekommen. Seit 2002 arbeitet ASPIK kontinuierlich mit dem gleichen Kernensemble.

ARBEITSWEISE

Seit jeher entwickelt ASPIK Projekte sowohl in Theaterräumen als auch an ungewöhnlichen, themenspezifischen Orten (Museum, Fabrikhalle, Gericht, Discounter, Landschaft, Schwimmbad, Literaturarchiv, Bibliothek, Verkehrsübungsplatz u.a.) In den letzten Jahren hat das Ensemble durch die Gegenüberstellung von intensiven Bildern, ritualisierten Bewegungsabläufen und davon isolierten Textpassagen eine eigene Ästhetik gefunden, die ständig weiter entwickelt wird. In der Probenarbeit, die sich als gemeinsamer assoziativer Entwicklungsprozess in einem definierten „Raum" beschreiben lässt, werden die verschiedenen Ausdrucksmittel (Gestik, Bewegung, Text, Sound) so voneinander isoliert und auf unterschiedlichen „Tracks" erprobt und weiterentwickelt, dass die Logik der Psychologie aufgebrochen wird.

Die ästhetischen Ausdrucksmittel Schauspiel, Choreographien, Sprache, Kostüm, Licht, Sound und Bühnenraum stehen im Ergebnis der Inszenierung als gleichwertige Elemente nebeneinander. Durch das Spannungsfeld zwischen den verschiedenen, oft scheinbar widersprüchlichen Fährten, welche die Inszenierung verfolgt, wird der Zuschauer aktiv am Geschehen beteiligt: Er verknüpft Bilder, Bewegungen und Worte assoziativ-sinnstiftend zu seiner individuellen Erzählung.

Alle Projekte von Theater ASPIK haben zum Ziel, das Medium Theater in unterschiedlichste Richtungen auszuloten, um unsere gesellschaftliche Realität unvoreingenommen zu befragen. Der Weg dahin besteht für uns darin, Grundkonstanten menschlichen Verhaltens herauszudestillieren und mit szenischen Mitteln sichtbar zu machen.

FORMATE / PRODUKTIONSFORMEN

In den Eigenproduktionen werden Themen in einem kollektiven Probenprozess auf die Bühne gebracht; der Begriff des „Freien“ lässt sich in diesem Format konsequent ausloten. Die Arbeiten basieren einerseits auf Erfahrungsbeiträgen der Mitwirkenden, andererseits auf unterschiedlichsten Lebensentwürfe aus Film und (dramatischer) Literatur. Wir untersuchen, auf welche Weise Kommunikation und Beziehungen zwischen unterschiedlichen Welten entstehen und wie sie sich weiterentwickeln. So entstehen Figurenkonzepte, die in Folgeprojekten fortgeschrieben werden können (z.B. KingKong in Assessments). Die Eigenproduktionen bilden den Kernbestand unserer Arbeiten (in den vergangenen Jahren u.a. Assessments, Spekulationen, Mut, King Kong, Mein junges idiotisches Herz, Kirschgarten zu verkaufen).

In den Koproduktionen wird zum einen mit Stadt- oder Staatstheatern (Staatsschauspiel Dresden 2012-14, Staatstheater Braunschweig 2012, Staatstheater Stuttgart 2006, Theater Freiburg 2008 und 2010, Theater Hildesheim 2009 sowie 2002-2006, Kleistforum Frankfurt/Oder 2005, TaK Theater Liechtenstein 2008, 2010, 2013) zum anderen mit Theaterensembles aus europäischen Partnerländern („Teatr Cinema" PL, „Il Mulino di Amleto", IT, u.a.) ein gemeinsames Projekt realisiert.

Die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern aus anderen Ländern gibt Impulse für eine Weiterentwicklung ästhetischer Ausdrucksformen.

Bei der Zusammenarbeit mit Stadttheatern geht es oft darum, ein neues Format zu etablieren oder eine Inszenierung an einem externen Spielort zu entwickeln („Die große Pause" in einer leeren Fabrik 2010, „Ausflug in den Menschenpark" in einem Auditorium, „Patrioten im Herz" im Museum, „Sein oder Nichtsein" in einem Tanzlokal aus den 20erjahren, „Der Fall aus dem All" in einem Dorf bei Dresden).

Auftragsproduktionen werden auf Wunsch von Theatern oder anderer Institutionen zu besonderen Anlässen entwickelt. Mit den Mitteln von Theater, Installation und Performance wird dabei, meist im Zusammenhang mit historischen Bezügen, ein bestimmter Ort, eine Biographie oder ein politisches Ereignis Thema der Inszenierung

Beispiele sind: „1989 – Wie`s im Buche steht“ – eine 60stündige Performance durch ganz Berlin zu „20 Jahre Mauerfall" im Auftrag der Bundeskulturstiftung (2009) / „Wer wohnt dort oben auf goldenen Sternen?" (2006) im Auftrag der Gesellschaft für Deutsche Sprache und dem Goetheinstitut Berlin, anlässlich des Heinrich-Heine-Jahres in der Bibliothek der juristischen Fakultät der Humboldt-Uni Berlin / „Schreibe mir bald, zum Troste" im Auftrag der Kleistfestspiele Frankfurt/Oder, zum Briefnachlass von Heinrich v. Kleist / „Erkennen – Erfassen – Erinnern" im Auftrag der Stadt Freiburg anlässlich des 500. Jubiläums der dortigen Universität (2008).


Genre: Theater für Erwachsene

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