DIE PROBE
Galixeo in Deutschmania


boat people projekt

So, 12. November 2017 19:30 Uhr
Veranstaltungsort: Theater im ehemaligen IWF | 37075 Göttingen


„Wir wollen, nein wir MÜSSEN mit unserer Kunst den herrschenden Verhältnissen gefährlich werden!“ sagt Theater-Intendant Gerhard Grünjäger und stellt in diesem Zusammenhang der Presse zwei frisch engagierte Künstler*innen aus Syrien vor. Im Vordergrund, wenngleich es „spannend“ ist, steht natürlich nicht deren Erfahrung als Theatermacher*innen – und wer weiß auch schon, was das im arabischen Raum tatsächlich bedeutet? - sondern vielmehr, dass sie Geflüchtete sind. Das muss man auch verstehen, in diesen bewegten Zeiten, so kurz vor der Wahl. Der Intendant fühlt sich am Puls der Zeit. Die gelernte Regisseurin Sahar soll nun, Order des Chefs, Brechts Galileo Galilei auf die Bühne bringen. Immerhin darf sie eine eigene Fassung vorlegen. Mustafa wiederum wurde als Schauspieler eingekauft. Für 500 Euro geradezu ein Schnäppchen! Aber Sahar muss den Brecht nicht nur mit einem Schauspieler inszenieren, oh nein, sie bekommt als zweite Spielerin die privat allerdings etwas gestresste Astrid dazu. Das wars dann aber auch. Astrid gehört schon lange zum Ensemble des von außen besehen kleinen, von innen betrachtet weltbewegenden Stadttheaters. Sie ist alleinerziehende Mutter und allem Neuen gegenüber aber eigentlich aufgeschlossen. So richtig Ahnung hat sie allerdings nicht, „was so die Zusammenhänge betrifft“.

Während die Proben beginnen und Sahar versucht, ihren Galilei (bei ihr genannt Galixeo) als Dystopie im Stil eines Science Fiction im fehlgeleiteten buddhistischen Reich Deutschmania zu etablieren (und dieses verwegene Konzept an die zweifelnde Astrid zu bringen), stehen in Real-Deutschland die Zeichen auf Umbruch. Das beunruhigt natürlich die Theaterszene, die einen Sieg der AFD herannahen fühlt. Auch Gerhard Grünjäger ist besessen von den Umfragewerten und verkündet sie stündlich und dabei die Proben seiner „syrischen Freunde“ störend wie ein masochistisches Mantra. Während jedenfalls Mustafa schnell Gerhards bester Freund wird und ein Auge auf Astrid wirft, bleibt Sahar zunächst isoliert und verbringt ihre freie Zeit ausschließlich mit Skype-Telefonaten nach Syrien zu ihrem Mann. Dann wird das Unerträgliche wahr, die AFD wird regierungsfähig und Sahars Inszenierung, die Aufenthaltsgenehmigungen, der Job des Intendanten, das Theater selbst sind in Gefahr. Der Theaterleiter besinnt sich auf seine Tugenden als Regisseur und trifft eine Entscheidung....

Premiere: 30.09.2017, 19.30 Uhr im Theater im ehemaligen IWF
Weitere Aufführungen: am 27.10. / 28.10. / 10.11. / 11.11. / 12.11.2017, jeweils um 19.30 Uhr im Theater im ehemaligen IWF (Göttingen); am 23.11. / 24.11.17 beim Durchstarter Festival im LOT Theater (Braunschweig); am 09.02. / 10.02. im Theater im Pavillon (Hannover)

Es spielen Imme Beccard, Ahmad Kiki, Henrik Massute, Roula Thoubian
Inszenierung: Nina de la Chevallerie
Text: Sophie Diesselhorst, Anis Hamdoun
Musik und Video: Reimar de la Chevallerie
Bühnenbild: Lea Dietrich
Dramaturgie: Nicola Bongard
Regieassistenz: Laura Albrecht

Gefördert von: Niedersächsiches Ministerum für Wissenschaft und Kultur, Stiftung Niedersachsen, Fonds Darstellender Künste, Lotto Sport Stiftung, Stadt Göttingen, EBR Projektentwicklung  


Veranstaltungsort / Karten-VVK

Veranstaltungsort

Veranstaltungsort:
Theater im ehemaligen IWF
Nonnenstieg 72
37075 Göttingen


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