1. bundesweiter Kongress für Freischaffende Darstellende Künstler.
Eine Tagung zu Theater und Schule in Niedersachsen.
Unter den 14 mit Kulturförderung betrauten Niedersächsischen Landschaften gibt es auch solche, in denen nur ein professionelles Freies Theater seinen Sitzort hat und arbeitet und einige, in denen kein Freies Theater lebt und arbeitet.
Während die grossen Bühnen ihre Sommerpause nehmen, machen die Freien in und um Lüneburg Theater, mit Lust und immer zur Freude ihres Publikums. Das wohl größte Event fand in Wettenbostel statt, dort spielte das Jahrmarkttheater auf dem weitläufigen Gelände eines Heidehofes und konnte mit dem Repertoire von drei Stücken eine Woche vor Ende der Spielzeit auf eine Rekordzuschauerzahl von über 6.000 Besuchern stolz sein. Heidehof/Jahrmarkttheater Das Ambiente auf dem Heidehof hatte den Regisseur und künstlerischen Leiter des Jahrmarkttheaters, Thomas Matschoss, schon 2008 zur Aufführung von Shakespeares ›Was ihr wollt‹ animiert. Der Hof verfügt über große Freiflächen, und vor allem über einen kleinen Teich, was dem Stück natürlich sehr entgegen kommt, denn wer für Wirren in Illyrien sorgt, wird dort am Ufer angestrandet. Matschoss hat somit das passende Ambiente zum Stück gefunden und eine beeindruckende Volkstheateraufführung geschaffen, die es, ob des großen Zuspruchs 2008, in diesem Jahr wieder aufzunehmen galt. Mit ins Repertoire genommen wurden: ›Fanclub der Sehnsucht‹ – ein Theaterabend mit ganz viel Gefühl und noch mehr Musik – und ›Zebraline von der Insel‹ – Theater für die ganze Familie. Der ›Fanclub‹ spielt in der Reithalle des Hofes, und ›Zebraline‹ natürlich wieder am Teich, dafür haben Matschoss und Anja Imig das Stück schließlich geschrieben. Während ›Zebraline‹ eine traditionelle Märchenstruktur aufnimmt, besticht ›Was ihr wollt‹ durch seine Unbeschwertheit und die unbedingte Direktheit im Spiel und in der Spielsituation. Das Publikum folgt den Spielern und Musikern über das weitläufige Hofgelände zu immer wieder neuen Spielorten und schleppt so nicht nur seine Klapphocker ohne Murren mit sich. Viele Besucher haben auch ein Picknick mitgebracht, das zwischendurch Leib und Seele zusammenhalten hilft. Man liebt den Ort mit seinem speziellen Ambiente augenscheinlich, und man fühlt sich wohl bei dieser Form von Theater. Das lassen die euphorisierten Zuschauerinnen und Zuschauer das Ensemble lauthals wissen. Shakespeare hätte seinen Spaß an diesem Theaterabend gehabt, und trotzdem das Gefühl bekommen, dass man sich seinem Stück mit Ernst und schauspielerischer Liebe angenommen hat. Das mag vor allem daher rühren, dass man das Gelände nicht zum Stück gesucht, sondern beim Finden des Hofes gleich zu diesem Stück hingerissen wurde. Denn hier passt es hin, und das tut Stück wie Spielern gut, und das Publikum freut sich ehrlich über das Produkt. Matschoss weiß aus dem letzten Jahr zu berichten, dass man glaubte, wer hier Theater macht, das müssen Amateure sein, und freut sich über das Staunen, dass es ihm gelungen ist, professionelle Schauspieler für sein Spiel zu gewinnen. Denn professionelles Theater wird dem Publikum hier selbstbewusst präsentiert. Und Matschoss ist dabei ebenso wichtig, dass er den schmalen Grad zwischen Theater aus Liebe und angemessener Entlohnung mit seinem Ensemble gehen kann. Der Zuspruch durch das Publikum bestätigt ihn und macht dies möglich. Zwei Spielzeiten haben die Akteure vom Jahrmarkttheater nun auf dem Heidehof gespielt, und neue Ideen müssen sich nicht unbedingt am selben Platz ansiedlen. Ein ›Graf von Monte Christo‹ verlangt nach einem anderen Ort als dieser beschaulichen Idylle, die dem Schauplatz Illyrien entgegenkam. Aber wer weiß, vielleicht wird es ja auch ein anderes Stück. Die Region und die Zielgruppe sind klar, die Zuschauer werden dem Ensemble folgen, egal wo die 2010 Theater machen. Tandera-Theater Das Theater mit Figuren, Tandera, ist nun wahrlich kein Neuling in Lüneburg, aber neu ist die Einbindung ihrer Wirkens in das Engagement am Stadttheater Lüneburg. Gabriele Parnow-Kloth wird die von ihr initiierte, und seit Jahren präsentierte Gastspielreihe Figurentheater nun in den Räumen des neuen Kinder- und Jugendtheaters weiter betreiben. Das ist einerseits eine Würdigung ihres Engagements, zum anderen ist es eine Anbindung an ein größeres Haus in der Stadt, das der Wahrnehmung des oftmals vernachlässigten Figurentheaters dienlich ist.Gabriele Parnow-Kloth macht aber vor allem selber Theater, mit Figuren und Menschen und zusammen mit Dörte Kiehn. Und das nun seit mehr als 20 Jahren als Tourneetheater eben in Lüneburg und landesweit. Die Auseinandersetzung mit Form und Inhalt passiert auch hier auf hohem Niveau, „Fremdbestäubung und Beäugung ist erwünscht und wird immer wieder gesucht“, so Parnow-Kloth. Sei es durch Gastregisseure oder durch externen Figurenbau, der Diskurs hat Methode und hält das Team seit Jahren jung und ihre Arbeit up to date. Ihr Repertoire umfasst Dramatisierungen von Buchvorlagen, eigene Stückentwicklungen und auch Inszenierungen von bestehenden Stückvorlagen. Thematisch darf es augenzwinkernd und auch ernst zugehen, und das Spiel mit Figuren und Mensch ist beiden wichtig, und eben nicht klassisches, niedliches Puppentheater. Premiere hat am 27.9.09 ›Verflixter Ratz‹ nach dem gleichnamigen Buch von Lauren Child für Menschen ab 4 Jahren im Hamburger Fundustheater, mit dem das Tandera seit Jahr und Tag eine fruchtbare Kooperation betreibt. Theater zur weiten Welt Das Theater zur weiten Welt ist seit zwei Jahren in Lüneburg ansässig und hat sich auf hohem Niveau ins Kulturleben der Stadt gespielt. Schon in Berlin haben Birgit Becker und Raimund Wurzwallner gemeinsam Theater gemacht, aber es gab dann das Angebot mit dem Stadttheater Lüneburg im Kinder- und Jugendtheaterbereich und auch theaterpädagogisch zu kooperieren. Ein weiterer Anknüpfungspunkt in Lüneburg war der Regisseur Rüdiger Walter Kunze, mit dem sie schon länger erfolgreich zusammenarbeiteten. Mutig war der Anfang, so eröffnete man mit ›Medea‹ und vor allem mit dem Anliegen, dass ihr Theater gerne psychologisch sein und genauso gerne pieksen darf, aber natürlich immer unterhalten. Sie spielen an verschiedenen Orten in der Stadt, so etwa in diesem Sommer ›Gefährliche Liebschaften‹ im Innenhof der Musikschule Lüneburg. Mit weiteren Produktionen wie den Jugendstücken ›Robinson & Crusoe‹, Mastrosimones ›Tagträumer‹ und dem Erzähltheaterstück ›Novecento – Der Ozeanpianist‹, das im Oktober Premiere haben wird, bespielen sie das TNT-Studio des Stadttheaters Lüneburg. Daneben ist ihnen die theaterpädagogische Arbeit mit Jugendlichen wichtig, aber auch die Vermittlungsarbeit mit Erwachsenen, die sie nach den Sommeraufführungen der ›Gefährlichen Liebschaften‹ gern zum Gespräch einladen. Auch wenn ihr Kern momentan ›nur‹ aus zwei festen Mitgliedern besteht, geht die Intention schon dahin, mehr Künstler an das Ensemble zu binden, dazu fehlen aber Fördermöglichkeiten, auch wenn man vom Lüneburgischen Landschaftsverband, der Stadt und von der Sparkassenstiftung Förderung erhält, reichen diese Mittel dazu noch nicht. Das Theater zur weiten Welt, so ist allenthalben zu hören, hat die Lüneburger Theaterlandschaft bereichert. theater im e.novum Seit dem Jahr 2000 besteht das theater im e.novum in Lüneburg. Es ist ein von Margit Weihe gegründetes Amateurtheater, das sich als Theaterschule und Aufführungsort versteht, für Eigenproduktionen und Gastspiele. Als Ziel der Theaterschule sieht man die Verwirklichung eines jungen, kreativen Theaters, in dem das physische Spiel der Akteure im Fokus steht. Wichtig ist Margit Weihe dabei die Verknüpfung von Leben und Theater, wo der Theaterschüler lebendig im Leben und als Künstler auf der Bühne steht. Rund 130 Mitglieder die das Amateurensemble bilden, verteilen sich auf 10 Schauspielgruppen, die sich in Kinder, Jugendliche und Erwachsene gliedern. Intention der Theaterpädagogen ist, neben dem fundierten Schauspielunterricht, der Lust und Freude am Spiel(en), dem Entdecken der eigenen schöpferischen Kräfte, auch Raum für Begegnungen, Erlebnisse und lebendige Kommunikation zu schaffen. Neben der laufenden Ensemble-Arbeit werden zeitlich begrenzte Schauspielkurse angeboten. Das Theater arbeitet hauptsächlich theaterpädagogisch und bietet neben Gastspielen für Kinder und Erwachsene auch Eigenproduktionen, die Kindermärchen in der Weihnachtszeit, Jugendstücke, anspruchsvolle Komödien, aber auch ›Kritisches‹ und ›Unbequemes‹, Improvisationstheater und selbst entwickelte Stücke. So sind in den letzten Jahren über 40 Produktionen entstanden. Das Gastspielprogramm zeigt professionelles Kindertheater, Kleinkunst, Kabarett, Comedy, Schauspiel, Improvisationstheater und Musikabende. Wolfsburger Figurentheater Compagnie Auch die Stadt Wolfsburg gehört zur Lüneburgischen Landschaft und dort gibt es ein Figurentheater mit eigener Spielstätte. Die Wolfsburger Figurentheater Compagnie um Brigitte van Lindt und Andrea Haupt besteht seit 1991 und zeigt traditionelles Figurentheater. Die Gruppe verfügt über eine feste Spielstätte in der Bollmohr Scheune, tourt aber nicht minder eifrig durch die Republik. Thematisch wird sowohl das klassische Repertoire auf die Bühne gebracht, als auch Kinderbuchadaptionen und eigene Stückentwicklungen. Mit ›Stella und Nova‹ hat sich die Compagnie auf ein neues Feld gewagt: Sie koproduzierten mit dem Wolfsburger Museum phaeno ein interaktives Spiel um naturwissenschaftliche Experimente. Nach dem großen Erfolg des 1. Internationalen Figurentheater Festivals 2007, folgt nun das 2. Festival vom 04. bis 09. September 2009. Wieder werden Theatergruppen aus ganz Europa ihr Repertoire auf Wolfsburger Bühnen und an verschiedenen Orten unter freiem Himmel zeigen. Traditionelles Marionettentheater, skurrile Großfiguren, gigantische Fantasiefahrzeuge, Kinderbuchklassiker, ein Umzug der Gaukler, Gnome und Giganten, ein Kunstturm, Feuerwerkstheater … und noch mehr wird auf diesem Festival die Menschen begeistern. Das eigene Repertoire wird am 15.11.2009 mit der Premiere ›Ein Baum für den Weihnachtsmann‹ erweitert.