Die Suche nach gemeinsamen Erlebnisräumen in Zeiten von Corona

Copyright: Sabine Trötschel/theaterwerkstatt Hannover

Mit einem Mix aus Online-Premieren, Hinter-den-Kulissen-Berichten und partizipativen Vermittlungsangeboten reagieren die Freien Theater in Niedersachsen kreativ und kritisch auf die aktuelle Lage. Sie experimentieren mit Formaten und denken öffentlich über die negativen Auswirkungen von digitalen Räumen und das Zusammenwirken von Digitalem und Analogem nach.

Manche unter denen, die online gehen, haben dafür existenzielle Gründe, denn so können manche Fördergelder doch noch abgerufen werden, weil Projekte im Internet "zu Ende" geführt werden. Doch es zieht die Kulturschaffenden auch einfach wieder auf die "Bühne", sie wollen sich trotz geschlossener Theaterräume oder gerade jetzt – diese auf den Kopf gestellte Welt künstlerisch bearbeitend – an ihr Publikum wenden. Sie experimentieren, um kulturelle Angebote für Menschen in Niedersachsen auch in Zeiten der Corona-Beschränkungen zu ermöglichen. Für Menschen in Quarantäne genauso wie für Kinder, die derzeit keine Bildungseinrichtungen und keine Theater besuchen können. Sie positionieren sich im digitalen Raum und verweisen dabei zum Teil auf die Möglichkeit, zu spenden. Doch die wenigsten können ihre Arbeit derzeit monetarisieren, wenn sie sich in digitalen Tools weiterbilden, mit digitalen Vermittlungsformaten experimentieren, Auftritte – auf unbestimmte Zeit – umdisponieren oder sogar Produktionen mit explizit geringen Zuschauerzahlen und unter Abstandswahrungen – 1:1 Performances und andere, wie sie vielleicht bald möglich werden könnten – neu konzipieren.

Andere Freie Theater in Niedersachsen gehen weder in den digitalen Raum noch konzipieren sie Veranstaltungen unter hygienischen Auflagen. Mit dieser Leerstelle setzen sie bewusst auf die Unersetzbarkeit und Einzigartigkeit der Aufführung im öffentlichen (Theater-)Raum. Schweigend, sich dem digitalen Rauschen entziehend, entwickeln sie hinter verschlossenen Theatertüren Wege, diese Krise zu bearbeiten. Seismographisch: "Wir wissen, die Welt wird anders sein, aber wie anders? Und wie sollen wir dann wissen, was wir dann wem wie zeigen?" (Theaterwerkstatt Pilkentafel) Nur diese Sicherheit haben sie noch: dass sie das Publikum nicht so schnell vergisst.

In allen Fällen fordert der LaFT Unterstützung von Bund und Land sowie neue Förderinstrumente (z.B. Stipendienprogramme). Denn gerade gehören die Freien Theater zu den Schwächsten in der Krise – solidarisch unter anderen. Bislang greifen die begonnenen Soforthilfen durch Land und Bund zu kurz. Die Künstler*innen, die nicht öffentlich gefördert werden und deren wichtigster Teil des Einkommens – das Publikum – wegfiel, kommen schnell an ihre ökonomischen Grenzen. Wer keine fortlaufenden betrieblichen Kosten hat – keinen angemieteten Probenraum, keinen Dienstwagen, keine Angestellten – wird derzeit von der Politik auf ALGII verwiesen. Der drohende Zusammenbruch dieses filigranen Netzwerks von freischaffenden Künstler*innen, Auftraggeber*innen aus dem Bereich der Bildung und Erziehung sowie soziokulturellen Kulturinstitutionen muss verhindert werden. Solidarisch, unbürokratisch und nachhaltig strukturfördernd.


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