Aus dem LaFT-Positionspapier NEUSTART FREIER THEATER IN NIEDERSACHSEN: Digitalbonus auch für die Freien Theater

Die Zeitgenossenschaft der freien Szene – ihr kooperatives, forschendes und interdisziplinäres Arbeiten – hat dazu geführt, dass Freie Theater schon frühzeitig die Digitalität in ihren Theaterproduktionen verarbeitet haben. Mit ihrer langen Geschichte von Ästhetiken können sie gerade jetzt Anstöße geben, die digitale Gesellschaftsbewegung souverän zu gestalten und die "Neuerfindungen" der Digitalisierung kritisch zu begleiten.

Theaterkollektive, die große Fördersummen für die lange Entwicklung von Software und die Arbeit in großen Teams erfolgreich beantragen konnten, haben die Digitalität und digitale Erzählweisen (wie z.B. Point-and-Click-Games) für das Theater adaptiert und sich eine digitale Kompetenz für die künstlerische und interaktive Verknüpfung von Analogem und Digitalem angeeignet. Mit Ausbruch der Corona-Krise haben in großen evolutionären Schritten auch einige Nicht-Digital-Natives unter den Theaterschaffenden ihr Wissen um digitale Vermittlungsformate erweitert.

Um mehr Kulturschaffende in die Lage zu versetzen, neue Spielarten digitaler Theaterkunst zu entwickeln, um mit ihrem Publikum in virtuellen Kontakt zu treten, neue Zielgruppen zu erreichen und auch unternehmerische Modelle für Theater im digitalen Raum entwickeln zu können, müssen auch Solokünstler*innen, freie Gruppen und Theaterhäuser an Digitalisierungsprogrammen partizipieren können.

Ein Digitalpakt für die Freien Darstellenden Künste sollte Investitionen in Ausstattung, Ticketverkauf, Weiterbildung und Forschungsvorhaben finanzieren. Digitales Theater braucht Zeit, Geld, Know-How, um Spezialist*innen (z.B. aus der Game-Art) erweiterte Teams und Equipment! Gleichzeitig können wir uns nur eine hoffnungsvolle Zukunft vorstellen, in der die Freiheit der Kunst, die Eigenständigkeit der Kunstschaffenden und die gemeinsame und geteilte Anwesenheit von Performer*innen im Hier und Jetzt auch ohne Digitalität gefördert wird.

  • Digitalpakt für die Freien Theater in Niedersachsen: Investitionen in Ausstattung, Ticketverkauf, Weiterbildung, Forschungsvorhaben und Förderprogramme für größere Teams, längere Produktionszeiten und neue Technologien
  • Beispiele aus NRW: Förderlinie Digitale Performance (in NRW seit 2015 als Projektförderung) und Digitale Dramaturgie (in NRW seit 2020 als Konzeptionsförderung)
  • Gutes Beispiel in Niedersachsen durch die Stiftung Niedersachsen: prozessorientiertes Stufenmodell bei dem Programm „Link Masters“ zur Förderung der Auseinandersetzung, Weiterentwicklung und Synergien aus interdisziplinären Kollaborationen: https://www.link-niedersachsen.de/link-masters

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