Freies Theater im Landschaftsverband Stade


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Wenn etwas die Freien Theater dieses flächenmäßig recht großen Landschaftsverband auszeichnet, so ist es die Erschließung ungewöhnlicher Spielorte: etwa ein Segelschiff aus dem 19. Jahrhundert, eine Halle auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide oder gleich der ganze Biobauernhof als Spielort, Eisenbahnwaggons, Dorfsäle oder auch Open-Air.

Natürlich gastieren diese Theater größtenteils auch deutschlandweit und international, zugleich machen sie aber auch Theater vor Ort, begeistern die Menschen von der Nordsee bis zum Südrand der Lüneburger Heide mit ungewöhnlichen Theaterformen. Klaus Schumacher (Leiter des Jungen Schauspielhauses Hamburg und mehrfach ausgezeichneter Regisseur) beschrieb dies kürzlich anlässlich einer Podiumsdiskussion so: „Ob wir am Hamburger Schauspielhaus für Hamburg gültiges Theater machen, das lässt sich schwer sagen. Aber kennen Sie das Theater Metronom? Die machen wirklich gültiges Theater für den Ort wo sie arbeiten und leben: gültiges Theater für Visselhövede.“


Das Letzte Kleinod

„Als ich zwölf Jahre alt war, ging ich mit auf Fischfang. Woran ich mich gut erinnere, ist, als wir fertig waren und nach Hause zurückkehren wollten, gingen alle Männer nach vorne um Kaffee zu trinken. Und ich trug die Schuhe meines Onkels, er war Kapitän, und er stellte mich hinter das Steuerrad und sagte: ‚Jetzt fährst du uns nach Hause. Wir gehen nach vorne und trinken Kaffee.‘ Und da stand ich, zwölf Jahre alt, in den großen Schuhen meines Onkels, ganz alleine, und steuerte ein Schiff“, berichtet ein isländischer Zeitzeuge in ›Kabeljaukrieg‹, einer Inszenierung des site specific theatre Das Letzte Kleinod, das seinen Produktionsstandort ein Stückchen außerhalb der Seestadt Bremerhaven in Schiffdorf hat.

Bei Sonnenuntergang und Niedrigwasser beginnt die Vorstellung von ›Koldeweys Polarfahrt‹, gespielt auf dem Originalschiff der ersten deutschen Polarexpedition von 1868. Das Publikum sitzt auf einem anderen Schiff im Hafenbecken direkt vor dem alten Segler und kann die Atmosphäre wie sie wohl auf dem Schiff damals gewesen sein mag, mit allen Sinnen erfahren.

Seit 1991 arbeitet die Künstlergruppe zusammen und gestaltet dokumentarische Theaterinszenierungen in Architekturen und Landschaften: am Strand, im Hafen, in Bahnhöfen, auf dem Schiff oder in einer Halle. Inszeniert werden ›wahre‹ Geschichten, also histo- rische Ereignisse und Begebenheiten. Die Form und der Inhalt einer Inszenierung entstehen dabei in der Auseinandersetzung mit der Kulturlandschaft an der Nordseeküste. Dabei wird der regionale Bezug eines Themas in einen internationalen Zusammenhang gestellt. Dokumentation und Authentizität der Inszenierungen nähren sich u. a. aus dem Text, der aus mündlichen Überlieferungen (Zeitzeugen, Archiv) und historischen Dokumenten zusammengestellt wird, Kostüm, Spielort, Geräusche, Akustik. In ›King of Tonga‹ z. B. wird die Legende des Seemanns Hinrich Meyer erzählt, der als Matrose aus Jork vor Tonga Schiffbruch erlitten haben soll, eine Häuptlingstochter geheiratet hat und König von Tonga wurde. Der ›Kabeljaukrieg‹ dokumentiert den gleichnamigen Krieg zwischen deutschen und isländischen Fischern Ende des 19. Jahrhunderts.

Zum festen künstlerischen Kern von Das letzte Kleinod gehören Jens-Erwin Siemssen (Regie, Autor, Recherche, Licht), Juliane Lenssen (Dramaturgie, Produktion; Regie und Autorin für junges Theater) sowie die Schauspielerinnen Birgit Wieger, Yvonne van den Akker und der Künstler Jos Smeets. Vor jedem Projekt steht eine ausführliche Recherche, um ausreichend Materialien zusammenzutragen. Außerdem werden Gastkünstler aus den jeweiligen Kulturkreisen eingeladen und Gastspiele in Partnerländern durchgeführt.

Da die Theaterprojekte von Das letzte Kleinod oft eine besondere Logistik erfordern, betreibt die Künstlergruppe zwei Bahnhöfe (Geestenseth, Breddorf ) inkl. Eisenbahnwaggons, die für den Transport eingesetzt werden. Jedes Jahr im Herbst wird ein ehemaliger Personenwaggon als Kindertheater eingerichtet. Bis zu 50 Kinder können dort Platz nehmen und die Abenteuer u. a. von der Piraten-Jenny, Bahnwärter Johann und dem Fischer Rasmus erleben. Gespielt wird auf den Abstellgleisen kleiner Landbahnhöfe im Elbe-Weser-Dreieck.


Hermannshoftheater

Am Nordwestrand der Lüneburger Heide, zwischen Bremen und Hamburg, in der kleinen Ortschaft Wümme steht seit 1820 der Hermannshof, ein landwirtschaftlicher Betrieb, auf dem nach biologischdynamischer Wirtschaftsweise gearbeitet wird. Zugleich ist der Bauernhof jedoch Schauplatz ganz anderer, wenn auch ebenso fruchtbarer Ereignisse: den Produktionen des Hermannshoftheaters, das 2002 von Johann Karl König und Antje König, die den Hof bewirtschaften, gegründet wurde. Wer jetzt annimmt, dass hier ein paar einfältige Landmenschen Theater spielen, der irrt gewaltig, denn: Die innovative Verbindung von Kunst und Knolle funktioniert, weil Know-How dahinter steckt. Johann Karl König ist gelernter Agrarwissenschaftler und Schauspieler (u. a. Galli-Theater, HOMUNKULUS Figurentheater, Theater der Hansestadt Wismar). Seine Frau Antje König absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und zog als diplomierte Schauspielerin und Puppenspielerin (u. a. Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, HOMUNKULUS Figurentheater, Theater Wismar) hinaus in die Welt. Außerdem arbeitet die gebürtige Potsdamerin als Dozentin an der Puppenmacherschule in Hastholm (Dänemark). Es sind vor allem Märchen und Geschichten aus der Weltliteratur, die im Hermannshoftheater erzählt werden (u. a. ›Peter und der Wolf‹, ›Die Bremer Stadtmusikanten‹, ›Das Märchen von Iwan, dem Dummkopf‹, ›Däumelinchen‹).

Die Märchen werden als Erzählstoffe in eine Rahmengeschichte eingebettet. So ist z. B. ›Peter und der Wolf‹ eine Geschichte über eine Musikprofessorin und ihre Liebe zu dem Komponisten Sergej Prokofjew und ›Der Bauer zu Besuch in der Hölle‹ entpuppt sich als eine puppenspielerische Kritik an der Gentechnik. Das Spiel mit Puppen, Figuren und Menschen beginnt auf traditionelle Weise, um ferner im Spielverlauf dieselbe Tradition und den Spielinhalt aufzubrechen, um neue Sichtweisen zu öffnen. Zum festen künstlerischen Kern des Hermannshoftheaters gehören neben Johann Karl König (Schauspiel, Regie) und Antje König (Puppenspiel, Schauspiel, Regie), Karl Huck (Regie), Anja Johan (Schauspiel), Barbara und Günther Weinhold (Puppenbau), Friederike Aust (Puppenbau), Stefan Rätsch (Puppen- und Bühnenbau). Die Solostücke für Kinder ab 3/4 Jahren und Erwachsene jedes Alters werden auf dem Hermannshof produziert und haben vor Ort in der Scheune ihre Premiere, bevor sie auf Tournee gehen. Neben den Eigenproduktionen werden auch Gastspiele gezeigt. Zum ›Jahr der Mathematik‹ hat am 03. Oktober 2008 das Märchen ›Vom Zicklein, das bis zehn zählen konnte‹ Premiere.


Theater Pina Luftikus

„Gespenst, Gespenst, erschreck mich nicht / ich schenke dir ein klein’s Gedicht: Den Mond und die Sterne / die hab’ ich so gerne / in größerer Ferne. Denn wie man weiß / ist so ein Stern ganz in der Nähe / mit au und wehe / doch ganz schön heiß“, reimt Petra Jaeschke in ihrem Bühnenstück ›Die Nachtwächterin‹ für Kinder ab 5 Jahren. Das mit dem Mond und den Sternen weiß die Schauspielerin aus eigener Erfahrung. Um ›Die Nachtwächterin‹ glaubhaft darstellen zu können, ist Petra Jaeschke persönlich auf nächtliche Spurensuche gegangen: Welche Geräusche hören wir in der Nacht und was empfinden wir in der Dunkelheit oder im Mondlicht.

1997 hat Petra Jaeschke das Theater Pina Luftikus in dem kleinen Dörfchen Ahrensflucht gegründet. Hier lebt und probt die Solokünstlerin ihre Theaterstücke für Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren. Erzählt werden Geschichten voller Poesie und Komik, die auf der Basis von Bilderbüchern oder selbst verfassten Texten für die Bühne adaptiert werden. Ihr Publikum ernst nehmen, Platz lassen für Reaktionen, präsent und wach sein – auf diese Weise gestaltet Petra Jaeschke ihr Spiel. Als Schauspielerin sucht sie in jedem neuen Stück einen anderen Akzent, eine neue Herausforderung: ›Frau Meier, die Amsel‹ zeigt eine durchgängige Figur, in ›Schäfer Raul‹ gibt es 19 Personenwechsel, ›Das schönste Ei der Welt‹ enthält Elemente aus Tanz und Gesang, ›Die Nachtwächterin‹ ist komplett in Reimform geschrieben.

Eine feste Zusammenarbeit gibt es mit dem Regisseur und Autor Hartmut Behrens, der die Theaterstücke der Schauspielerin Jaeschke ›auf den Leib schneidert‹. Zwischen den Premieren liegen ungefähr eineinhalb Jahre, weil die Förderanträge diese Zeit benötigen und die Schauspielerin ihre Stücke intensiv vorbereitet. Dieses Jahr feiert Petra Jaeschke ihr 25-jähriges Bühnenjubliäum.


Regenbogen – Theater mit Puppen

30 Kilometer nordöstlich von Bremen liegt Ottersberg, Heimat der Puppenspielerin Eva Spielker und ihres mobilen Figurentheaters Regenbogen, mit dem die gelernte Puppenbauerin seit 1981 im Bremer Umland und der ganzen Republik auf Gastspieltournee unterwegs ist. In ihrem Repertoire finden sich Figurenspiele, die auf Märchenvorlagen basieren (u. a. ›Der kleine Muck‹ oder ›Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren‹) sowie Produktionen, die literarische Texte, Fabeln oder historische Stoffen adaptieren. Eva Spielker greift diese Stoffe auf, um sie aktualisiert und in eigener Spielform ihrem Publikum zu präsentieren. Sie greift zeitlose, stets aktuelle Lebensthemen auf wie u. a. in ›Ach, du Schreck – Tim ist weg!‹, in dem Gespenstersprößling Tim Schutz in einer Ritterrüstung sucht oder in ›Sei kein Frosch, Lukas!‹, das vom ängstlichen Fröschlein Lukas handelt, welches auf einer abenteuerlichen Reise lernt zu streiten und mutig zu sein. Mit ihren Stücken zeigt Eva Spielker Kindern Figuren in ihren charakterlichen Brüchen und Veränderungen. Sie können ihre eigene Lebenssituation vergleichen, akzeptieren, lernen und natürlich auch lachen.

Die Puppensolistin Eva Spielker spielt für Menschen von 3 bis 100 Jahren, an ungewöhnlichen Orten und vor ungewöhnlichen Menschen. 12 feste Stücke gibt es im Repertoire des Regenbogen Theaters. Ihre Puppen baut Eva Spielker selbst. Dazu verwendet sie hauptsächlich Modelliermasse, Schaumstoff, Stoffe und Holz. Sie spielt aus offenen Bühnenelementen heraus, z. B. aus selbstgebauten großen Wüstendünen, Teichen oder Bahnsteigen. Neben den regelmäßigen Auftritten gibt Eva Spielker Kurse im Figurenspiel.


commedia nova

Birgit Ermers ist Schauspielerin, Regisseurin, Theaterpädagogin und Autorin. Ihr Lebens- und Arbeitsschwerpunkt ist in Stade, wo sie seit 2005 die commedia nova als Solokünstlerin leitet. Es sind vor allem mythische Stoffe mit weiblichen Protagonisten, die die Künstlerin in ihren Stücken aufgreift und bearbeitet, u. a. Kassandra, Avalon, Karoline von Günderode: ›Fort, Fort ins Weite‹, ›Atlantis und der Traum vom Glück‹, ›Gaias Töchter‹. Mythische Stoffe haben für Birgit Ermers einen besonderen Reiz, weil sie „auf unmißverständliche, oft brachiale Weise alle Archetypen menschlichen Verhaltens widerspiegeln und daher vollkommen zeitlos sind“.

Der Zuschauer ist für die Soloartistin ein gleichberechtigter Partner, dem sie durch abstrakte Bühnenbilder und einfache technische Mittel einen offenen Erlebnisraum gestalten möchte. Von elementarer Wichtigkeit sind hierbei auch Sprache und Stimme als sinnliches Medium. Zunehmend spielt auch die Integration von musikalischen Aspekten eine wichtige Rolle in den Theaterstücken von Birgit Ermers. Seit über drei Jahren arbeitet sie bereits erfolgreich mit dem Musiker Wolfgang Haack zusammen. Darüber hinaus sind die Tänzerin Elisabeth Kirchner-Schütz, der Regisseur Thomas Müller und der Musiker Christian Clasen projektweise an den Theaterstücke von commedia nova beteiligt. Die nächste Premiere findet am 08. Oktober 2008 im Theater Hinterhof in Buxtehude statt: ›Gaias Töchter – Eine theatrale Spurensuche‹.


Tamalan Theater

In der kleinen Ortschaft Finteln, gut 27 Kilometer nordöstlich von Rotenburg an der Wümme, entfernt, ist das Büro und die Kreativwerkstätte des Theater Tamalan – kurz gesagt: das Zuhause von Helmut Ferner und Anni Ruhland. In den 90er Jahren lernten die beiden Künstler sich während des Projektes ›Die Nibelungensage als Straßentheater‹ in Freiburg i.Br. kennen, die Chemie stimmte und der Entschluss „gemeinsam komisches Märchentheater zu entwickeln und zu spielen“ folgte. 1994 wurde das Tamalan Theater gegründet, das seither fast täglich durch die Republik tourt und kleine wie große Menschen gleichermaßen interessant und amüsant unterhält. Inszeniert werden allseits bekannte Märchen in ungewöhnlicher Manier: u. a. ›Schneewittchen – Vom Problem schön zu sein‹, ›Froschkönig – Wie man ins Schloß gelangt‹, ›Rumpelstilzchen – Alles andere bleibt geheim‹ oder ›Das Rotkäppchen – Fast ein Krimi‹.

„Ähnlich wie bei Operninszenierungen arbeiten wir damit, dass ein Großteil des Publikums den Ausgangsstoff kennt. Das gibt uns die Möglichkeit, mit den Erwartungen des Publikums zu spielen und zu überraschen“, erläutert Helmut Ferner den gedanklichen Ansatz des Tamalan Theaters. Außerdem enthalten Märchen ein hohes Potential für Komik und augenzwinkernde Dramatik. Je nach Stoff, Thema und Inszenierungsidee werden Elemente visueller Komik, Slapstick, wenige oder keine Worte, Rhythmus, Geräusche und Musik in den Eigenproduktionen eingesetzt. Präsentiert wird eine Kunst, die das Überflüssige weglässt, damit das Wesentliche zur Geltung kommt. Statt opulentem, schwerfälligem Märchenbühnenbild und vielen Requisiten, setzt das Theater Tamalan auf witzige und fantasievolle Kostümen. Produktion, Werkstatt, Nähen, Musik, Vermarktung, Schauspiel, Technik, Tourneebetrieb, Abrechnung – Multitasking für Anni Ruhland und Helmut Ferner, die sämtliche Aufgaben gemeinsam lösen. Seit kurzem erhält das Tamalan Theater Unterstützung von Regisseur Kai Helm und Monika Wondra, die in Sachen Kostüm und Farben ihr Know-how einbringt.


Theater Metronom

Das Theater Metronom findet der theaterkundige Zuschauer in Hütthof, einem kleinen Dorf, ca. eine Autostunde östlich der Hansestadt Bremen gelegen. Den mutigen Versuch, in der ›tiefsten Provinz‹ ein Theater zu etablieren, haben Karin Schroeder (Schauspielerin, Theaterpädagogin, Regisseurin) und Andreas Goehrt (Schauspieler, Regisseur) gewagt und gewonnen. Immerhin 200.000 Menschen leben im Umkreis von 50 Kilometern – potenzielle Theatergänger, von denen etliche immer wieder den Weg nach Hütthof ins Theater Metronom finden. Im Theater, einer umgebauten Halle auf einem Bauernhof, können knapp 100 Zuschauer Platz nehmen. 60 bis 70 Vorstellungen zeigt das Theater Metronom innerhalb eines Jahres: Eigenproduktionen, Kinder- und Jugendtheaterstücke, Gastspiele und Arbeitsergebnisse von Theaterprojekten. Außerdem gehen Eigenproduktionen auf Gastspiel- reise ins In- und Ausland.

Professionell wird im Theater Metronom auch mit Erwachsenen und Jugendlichen gearbeitet. Regelmäßig finden Theaterprojekte mit Jugendlichen oder Erwachsenen statt, in denen die Auseinandersetzung mit einem spezifischen Thema gesucht wird.

Reibung – ist ein wichtiger Begriff in der Theaterarbeit von Andreas Goehrt und Karin Schroeder. Immer wieder neu positionieren, das Publikum überraschen, fordern. Ein deutlicher Spiegel dieser Haltung sind die Theaterstücke auf dem Spielplan: ›Blueprint‹, ein Stück über die Beziehung einer Pianistin und ihrer Klontochter, ›Anastrophe‹ – über den Totalrückzug von Ana, die keine Katastrophen erträgt oder ›Ebbe‹, ein Stück für Kinder ab 4 Jahren, das die Geschichte von Ebbe erzählt, die laut und fröhlich und schmutzig ist, eben so ganz anders als das saubere Nordseedorf, in dem sie wohnt. Der Einsatz von theatralen Mitteln wie Licht, Bühne, Maske, Kostüm, Ton, Musik etc. richtet sich nach dem Regiekonzept – da gibt es keine ästhetischen Vorgaben oder stilistischen Richtlinien. Die Qualität ist der Maßstab für die Theaterarbeit von Theater Metronom.

Zum künstlerischen Kern des Theater Metronom gehören neben Andreas Goehrt und Karin Schroeder die Musiker Jan Fritsch und Reinhard Röhrs sowie die Kostümbildnerin Carmen Oertwig. Eine freundschaftliche Zusammenarbeit gibt es mit der theaterwerkstatt hannover und dem Regisseur und Schauspieler Alvaro Solar.


Cosmos Factory

1999 gründeten der Schauspieler und Regisseur Oliver Peuker und die Regisseurin und Theaterautorin Ute Falkenstein – nach zehn Jahren freie Theaterszene in Berlin – die Cosmos Factory in Donnern, einem kleinen Dorf im Landkreis Cuxhaven. Im Frühjahr 2008 übersiedelte die Cosmos Factory in das Teufelsmoor nach Worpswede, von wo aus die Eigenproduktionen auf Gastspielreise gehen.

Ihre Theaterstücke erarbeitet das Kreativteam der Cosmos Factory selbst. Voran geht die Spurensuche, die Themensuche abseits des Üblichen, vor allem im Kosmos ›innerer Biografien‹ faszinierender Künstlerpersönlichkeiten. Ist der Künstler geortet, die Biographie erkundet, das Material sortiert, wird geschrieben, entsteht ein atmosphärisch dichter Text aus Archivmaterialien, Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Zeitdokumenten. So sind in den letzten Jahren Inszenierungen u. a. zu Rainer Maria Rilke, Heinrich Vogeler, Tetjus Tügel, Paula Modersohn-Becker und Frida Kahlo entstanden.

Fertig sind die Theaterstücke zu Beginn der Probenarbeit nicht. Textgrundlagen? Ja – ein Grundgerüst. Weitergesucht, entwickelt und gefunden wird in den Proben. Das Stück wächst in der Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstlern. Lebendig, sinnlich – ein Gesamtkunstwerk aus Sprache, Musik, Bewegung und Licht will die Cosmos Factory dem Zuschauer präsentieren. Ein Cross-Over der Kulturen so wie bei ›Paula und Frida‹: Die Berührung unterschiedlicher Kulturen ist ein Weg in der künstlerischen Entwicklung der Cosmos Factory. Gespielt wird Open-Air, u. a. auf dem Barkenhoff in Worpswede, in Dorfsälen und kleineren Theaterspielstätten. Freischaffende Künstler und Techniker mit denen Ute Falkenstein und Oliver Peuker regelmäßig zusammenarbeiten sind der Musiker Ralf Benesch, die Schauspieler Tom Horn und Judith Mann sowie der Lichtspezialist Holger Klede und das Allround-Talent Michael Baesler.


Wort + Tat Theater

Das wort + tat theater ging 1992 aus der theaterwerkstatt am KunstForum Bonn hervor und hat seinen Sitz in Stapel unweit von Worpswede.

Das wort + tat theater war von Anfang an als ein „Ort der kreativen Synergie von Bewegung, Wort, Musik und bildender Kunst“ konzipiert. Live-Musik als wesentliches Element der Inszenierung gehört seit Gründung zu den Markenzeichen des Theaters. Derzeit stehen zwei Liederabende zu Jacques Brel gesungen von Roland Matthies auf dem Programm vom wort + tat theater: ›Le voyage n’est pas fini‹ mit dem Pianisten Christoph Iacono und ›Vivre debout‹ mit dem Ulrich Kodjo Wendt Ensemble. Vorbereitet wird derzeit ›Der fremde Passagier‹ mit Liedern von Viktor Ullmann und Alexander von Zemlinsky nach Friedrich Hölderlin, Albert Steffen und Toskanischen Volksliedern und Texten von Viktor Ullmann , Friedrich Hölderlin, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Nietzsche, Erich Fried und August Strindberg. Roland Matthies arbeitet hier mit der Sopranistin Claudia Rommetsch und der Pianistin Aurélie Namont zusammen.


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