Freies Theater in der Region Hannover


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Die Theaterszene in der Region Hannover lässt sich schwer in Genres fassen.

Wegen ihrer großen Vielfalt: Man findet alles, von klassischem Schauspiel und multimediale Inszenierungen über szenischmusikalische Experimente und Entertainment bis zu modernem, zeitgenössischem Tanztheater, Figurentheater, Kinder- und Jugendtheater und Produktionen, die alle Altersgruppen anziehen.

Die Spielstätten sind auf stillgelegten Fabrikgeländen zu finden, in einer alten Tankstelle, einem ehemaligen Kulissendepot oder auch in einem leerstehenden Supermarkt. Die Schul- und Kulturdezernentin der Stadt Hannover Marlis Drevermann benennt Statistiken, nach denen die Region Hannover die größte Theaterdichte im Bundesgebiet hat. Selbst wenn es Regionen mit noch mehr Theater geben sollte – die Hannoveraner lieben ihre Theater und sind ein anhängliches Publikum.

Boxen-Team

Mit der Idee, Theater zu machen, ohne Stücke zu spielen, darzustellen, ohne Schauspieler zu sein und etwas zu erzählen, ohne Texte zu gebrauchen, gründeten zehn Menschen aus verschiedenen Bereichen 1994 in Hildesheim das Boxen-Team. Die erste Produktion ›Boxen‹ gab der musikorientierten Performancegruppe ihren Namen. Ohne es geplant zu haben, treffen sie mit ihren Produktionen den Zeitgeist der neunziger Jahre: Pop. Sie sind laut, schnell, bunt und sexy.

Die Gruppe sucht und findet. Sie sucht das Leben im Theater und will die Trennung zwischen Kunst und Leben negieren. Es geht um Rhythmus, Timing und Feeling. Ein Stück des Boxen-Teams ist wie ein guter Song. Einen Einschnitt in ihrem künstlerischen Prozess stellt der Tod des Boxen-Team Schlagzeugers dar.

Sie hinterfragen ihre Werte und beginnen sich mit ihren Biografien zu beschäftigen. Das Ergebnis Produktion ›Stoxx‹, wird 1999 in Hildesheim und Weimar gezeigt. 2000 hat ›Deutsche Psyche‹ beim Arena-Expo-Festival in Hannover Premiere. In einer inszenierten Pressekonferenz erklärt das Boxen-Team seinen Ausstieg aus der Kunst und thematisiert gleichzeitig die Unmöglichkeit eines gesellschaftlichen Ausstiegs. Als Grundlage für ›Capri bei Nacht‹, eine crossmediale Performance, die 2001 entsteht, dienen dreizehn Arbeiten des 1997 verstorbenen Martin Kippenberger. Mit ›Radio Revolution‹ in der Regie von Sabrina Zwach eröffnet das Boxen-Team 2004 das ›Volker hört die Signale‹-Festival in Jena. 2006 spielt der Volkbühnenschauspieler und Filmregisseur Herbert Fritsch in der Produktion ›Angst‹.

Das Boxen-Team behauptet sich als ein Ort der interdisziplinären Feldforschung und des künstlerischen Experiments.


Commedia Futura

Für ausgeprägtes Bild- und Körpertheater ist Commedia Futura bekannt. In einer ehemaligen Klareisfabrik, die 1898 als Brauerei gebaut wurde, haben die raumbezogenen Inszenierungen von Commedia Futura die ideale Umgebung. Hinter einem großzügigen Foyer liegen zwei Theatersäle mit je 99 Plätzen: Der Schwarze Saal taucht tief in den Boden ein, die Zentralhalle bietet atmosphärische Wandelbarkeit.

Mit Stücken nach Filmthemen hat das Theater Modelle für die Verbindung von Videos und Live-Szenen geschaffen, etwa in ›Lost in Twin Peaks‹ nach David Lynch oder ›Lovers & Killers. Tarantino Samples‹. Diese Multimedia-Inszenierungen knüpfen an Experimente und Traditionen des Off-Theaters an, sie erzählen von der Auseinandersetzung zwischen Mensch und medienbeherrschter Welt. Herausragendes ist Wolfgang A. Pionteks Truppe mit Porträts von ›Geistern des 20. Jahrhunderts‹ gelungen: Der Bogen reicht von Muhammad Ali bis Andy Warhol. In jüngster Zeit steht die Verknüpfung von Tanz und Theater im Vordergrund, seit 2006 arbeitet Commedia Futura mit dem Tänzer und Choreografen Felix Landerer zusammen.

Wolfgang A. Piontek hat Commedia Futura 1982 mit einer Künstlergruppe gegründet. Programm und Stückauswahl verantwortet er als künstlerischer Leiter und Regisseur seit 1991 gemeinsam mit Dramaturg Peter Piontek. Neben zwei Eigenproduktionen im Jahr arbeitet das Team verstärkt an Kooperationen, Koproduktionen und Gastspielbetrieb.

Auf vielen Festivals war Commedia Futura zu Gast: vom Waves-Festival in Vordingborg 1994 über das Tampere Sommerfestival in Finnland 1997 bis zum Festival Xtra frei in Bremen 2007. Mehrmals wurde die Gruppe zum Festival Tanztheater International eingeladen und für den ›Theaterpreis Freier Theater‹ der Niedersächsischen Lottostiftung nominiert.


Compagnie Fredeweß

Die Compagnie Fredeweß steht für innovatives Tanztheater, das an den Wurzeln des Begreifbaren ansetzt – am eigenen Körper. Mit der Neugier von Forschungsreisenden ergründet sie das Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Gelenken. Oder die Gangarten von Tieren. Oder die Dynamik eines Rummelplatzes. Oder die Raumwirkung von Küssen … Ob starker Impuls oder sanfte Verführung: Größtmögliche Bewegungsfreiheit für die Bilder hinter der Stirn sind garantiert.

In Tanzabenden für Erwachsene kombiniert die Compagnie ihre abstrakte Bewegungssprache mit alltäglichen Themen, mit Musik, Literatur und Video. In mobilen Projekten vermittelt sie Tanzkunst an Kinder und Jugendliche: Moderation und Workshops machen Choreografien nachvollziehbar. Und mit der Initiative MOTS – Moderner Tanz in Schulen bietet sie komplette Unterrichtseinheiten an, bis zur Aufführung vor Publikum.

Hans Fredeweß hat die Compagnie 1998 gegründet. Der Preisträger des 9. Internationalen Choreografen- Wettbewerbs hat bei Manja Chmièl, Gerhard Bohner und an der Folkwang-Schule in Essen Tanz studiert, war choreografischer Assistent bei Susanne Linke in Bremen. Fest zum Ensemble gehört auch Natascha Hahn. Sie hat an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover studiert und war Mitglied des TanzTheaters Basel unter Joachim Schlömer. Weitere Tänzer werden jeweils engagiert.

Der Probenraum der Compagnie ist wandelbar: Die Studiobühne Tanz bietet 44 Zuschauern Platz. Sie liegt in einem stilvoll sanierten Fabrikquartier in Hannover- Linden. Mit größeren Ensemblestücken bespielt die Compagnie Fredeweß geräumigere hannoversche Bühnen, mit allen Choreografien tourt sie auch durch Deutschland und darüber hinaus.


fensterzurstadt

Im Grenzbereich von Entertainment und Experiment, Schauspiel und Performance sind die Inszenierungen von fensterzurstadt angesiedelt. Sie folgen einer assoziativen Logik, verdichten minidramatische Ereignisse, reale Recherchen oder literarische Vorlagen zu eigenwilligen Stücken von fesselnder Handlungsdynamik.

Die Bandbreite reicht von der Ingmar-Bergmann- Studie ›Innenleben‹ über das musikalische Kammerspektakel ›Rokk the Busch‹ frei nach Wilhelm Busch, ›Schweig, Sturmwind, still‹ nach Shakespeares ›Der Sturm‹ und ›Helden wie wir‹ nach dem Wiedervereinigungsroman von Thomas Brussig bis zur Gratwanderung zwischen Authentizität und kunstfertigem Spiel in ›ICH ICH ICH – ein Kaleidoskop des alltäglichen Wahnsinns‹ – immer mit Live-Musik.

Eine verlassene Tankstelle in der Innenstadt fungiert seit 2007 als Probe- und Aufführungsort und soll zunächst Basisstation bleiben. Eigenwillige Spielstätten kennzeichnen von Beginn an die Arbeit des Theaters fensterzurstadt: So entstanden Produktionen in einem leer stehenden Laden, im Ihme-Zentrum und im Amtsgericht Hannover.

Fensterzurstadt ist eine Kooperative professioneller Theatermacher mit Berufserfahrung in Freien und staatlichen Theatern. Ein variables Produktionsteam gruppiert sich um die künstlerischen Leiter Ruth Rutkowski und Carsten Hentrich, der als Schauspieler bereits viele hochkarätige Preise gewonnen hat. Nach der Gründung im Jahr 2000 wurde das Theater fensterzurstadt schnell zum ›Shooting Star‹ der Szene, gewann den Kulturpreis ›pro visio‹ der Stiftung Kulturregion Hannover und den Theaterpreis der Niedersächsischen Lottostiftung.


Figurentheater Die Roten Finger

Bevor Bernd Linde 1999 das Figurentheater Die Roten Finger gründete und sich damit 2004 selbstständig machte, arbeitete er mehrere Jahre als Theater- und Sozialpädagoge mit Kindern. Aus dieser Zeit stammen die Themen für seine Kinderstücke: Den Mut aufzubauen, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, daran zu wachsen und dabei zum Miteinander zu finden.

Er greift nicht auf vorgefertigte Kinder-Literatur zurück, sondern schreibt die Geschichten selbst. Auch die Lieder, die ein wesentliches Merkmal seiner Aufführungen sind, stammen aus seiner Feder. Er ist als Puppenspieler besonders mit seinen Figuren verbunden, weil sie aus seiner eigenen Hand gefertigt sind – aus Linde geschnitzte Tischfiguren oder große Stab- und Klappmaulfiguren aus Stoff. Die Stücke entstehen in der Improvisation mit den Figuren, denen eine eigene Geschichte innezuwohnen scheint, und in der Arbeit mit Regisseuren und Puppenspielern wie Christoph Buchfink.

Zum Ensemble gehören neben Bernd Linde Barbara Felsenstein (Figurenspiel, Gesang), Andreas Stumm (Figurenspiel, Gesang, Bühnenbau, Musikarrangement) und Claudia Telle (Kostüme). Je nach Art der neuen Inszenierung entsteht eine Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstlern wie für das Musikarrangement der Märchenoper ›Siebenschön‹ mit Musikern der Musikhochschule oder für ›Ricardo in Rio‹ mit Musikern aus Brasilien. Professionelle Bühnenbildner liefern das Bühnenbild. Mit mobilen Inszenierungen tritt das Theater solo oder im Duo in Niedersachsen – vornehmlich in Schulen – und im gesamten Bundesgebiet auf.

In Hannover gibt das Theater regelmäßig Gastspiele im Theatermuseum / schauspielhannover und im Alten Magazin. Jedes Jahr wird eine neue Kinder- Inszenierung produziert mit bis zu 120 Vorstellungen im Jahr.


Filou Fox Figurentheater

Achim Fuchs und Christian Kruse haben halboffene und offene Spielformen perfektioniert: Als Figurenführer und Schauspieler zugleich agieren sie mit Hand-, Tisch-, Stab- oder Papierfiguren, mit Marionetten und allerhand Dingen und Gerätschaften, die sie fantasievoll zum Leben erwecken. Das können die Anglerrequisiten in ›Der Fischer und seine Frau‹ sein oder Whiskyflaschen in ›Tom Sawyer und Huckleberry Finn‹ oder der Musterkoffer eines Vertreters für Katzenzubehör in ›Der gestiefelte Kater oder Alles für die Katz GmbH & Co. KG‹. Aus ungewohnter Perspektive erzählt, zeigen Märchen und Kindergeschichten bei Filou Fox plötzlich ganz neue, spannende Facetten.

Filou Fox schreibt die Musik zu allen Produktionen selbst, spielt und singt live und vertreibt eigene CDs – damit das Publikum die poppigen Mitsing-Stücke nach der Aufführung gleich weiter üben kann. Statt pädagogischem Ballast gibt es actionreichen Spaß, staunenswerte Tricks, poetische Bilder und für die erwachsenen Begleiter des Zielpublikums ab vier Jahren nicht selten einen ironischen doppelten Boden.

Bundesweit spielt Filou Fox sowohl im Duo als auch mit Solo-Stücken auf Festivals, Kinderkulturtagen und Theaterevents. Das 1989 gegründete Figurentheater wurde bereits viermal für den Förderpreis Freie Theater Niedersachsen nominiert und hat ihn sich zweimal erspielt.


Figurentheater Marmelock

Das Figurentheater Marmelock hat sich mit origineller und außergewöhnlicher Umsetzung seiner Geschichten bei Kindern und Erwachsenen beliebt gemacht. So spielt die swingende Kriminalkomödie ›Wer hat den Atlantik geklaut?‹ in einer Badekabine mit vier überraschenden Seiten: einem Strandkiosk, einer Plakatwand, einem Bahnhof und einem Clubhaus. Das kulinarische Märchen in fünf Gängen ›Cinderella à la Carte‹ wird in einer alten Schlossküche frisch zubereitet, mit Stockfiguren, Tischmarionetten und Figuren aus Küchengerät. Und das Marionetten-Stück ›Die Schöne und das Tier‹ hat seine Rokoko-Kulisse im Reifrock der Puppenspielerin.

Die Theaterleiterin, Figurenspielerin und Regisseurin Britt Wolfgramm ist gelernte Grafik-Designerin. Mathias Müller-Wolfgramm, der die Bühnenbilder entwirft und die Technik meistert, ist von Haus aus Innenarchitekt. Sie haben das Theater Marmelock 1986 gegründet, arbeiten von Fall zu Fall mit einem Stab weiterer Künstler, geben ihr Wissen in Workshops weiter und sind mit ihren Stücken bei namhaften Festivals im In- und Ausland eingeladen. Die Tourneen führten sie bereits nach Norwegen, Italien, Niederlande, Polen, Österreich und in die Schweiz.

Seit gut zehn Jahren veranstaltet Marmelock in Hannover das internationale Festival ›Märchen & Moliere‹: eine Woche mit Gastspielen renommierter Figurentheater für Kinder und Erwachsene mitsamt breitem Rahmenprogramm.


Figurentheater Seiler Hannover

1973 übernimmt Gerhard Seiler das Puppentheater seiner Eltern, gegründet 1945 als ›De Poppenspeeler‹. Und wo bis dato handfestes Kaspertheater gespielt wurde mit Blitz und Donner, Hexe und Krokodil, da beginnt Gerhard Seiler, den Spielplan zu entstauben: Er schreibt eigene Stück, baut neue Figuren und spielt solo.

Mit namhaften Regisseuren, Figurenbildnern und Autoren entwickelt er ein modernes, mobiles Figurentheater. Mitte der 80er Jahre feiern die Tischtheaterinszenierung ›Der Teufel mit den drei goldenen Haaren‹ und die Abendinszenierung ›Der Löwe‹ (Theater des Absurden von Amos Kenan) große Erfolge auf internationalen Festivals. Es folgen Einladungen nach Holland, Belgien, Österreich, Schweden und viele weitere Stücke mit Tischtheaterfiguren, Stabfiguren und Handpuppen. Es sind Geschichten, die Mut machen – wie ›Peter und der Wolf‹, Abenteuer – wie ›Robinson Crusoe‹, Stücke über Anderssein, Toleranz und Freundschaft – wie ›Gregors Verwandlung‹ sehr frei nach Kafka.

Aus dem Erbe seiner Eltern und aus eigener Anfertigung hütet Gerhard Seiler einen reichen Schatz: mehr als 400 Figuren, Bühnenbilder, Requisiten, Fotos und Dokumente aus über 60 Jahren Theatergeschichte. Die erste Ausstellung zeigte er 1992 im Historischen Museum Hannover, seither waren Ausschnitte aus seinem Fundus an vielen Orten in ganz Deutschland zu sehen.

Die Figurentheater Filou Fox, Marmelock und Seiler sind die Gründer des Figurentheaterhaus Hannover, das dem Publikum schon von weitem mit einer überdimensionalen Hand zuwinkt. Im Zusammenschluss ›Theatrio‹ führen die Künstler dort ein Zentrum für Figurenspiel mit Bühne, Werkstatt für Workshops und Seminare und viel Programm für Groß und Klein.


Hebebühne

Vor 18 Jahren gründeten Oskar Ansull, Bengt Kiene und Holger Kirleis die hebebühne als freie, professionelle Theatergruppe in Hannover. Die hebebühne ist ein Künstlerprojekt, das in seiner Arbeit szenische Ausdrucksformen mit Literatur und Musik verbindet. Als Produktionsgemeinschaft ermöglicht und begünstigt die hebebühne unterschiedlichen Ensembles einen intensiven Austausch zwischen Künstlern unterschiedlicher Genres. In den Ensembles arbeiten und kooperieren unter anderem die Autoren und Bühnenkünstler Peter Düker, Bengt Kiene, Bodo Dringenberg, Christian Sölter sowie die Musiker-Komponisten Achim Kück, Holger Kirleis und Christina Worthmann.

Die hebebühne betreibt keinen eigenen festen Spielort, sondern versteht sich als Teil eines künstlerischen Netzwerks, innerhalb dessen ihre Ensemble- Mitglieder in unterschiedlichen Produktionen und Kooperationen an verschieden Orten ›Kulturversorgung‹ leisten.

Dauerbrenner der hebebühne sind die Produktionen ›Chrunchy X-mas – Weihnachten für Randgruppen‹, seit 15 Jahren Kult in Hannover und anderswo und ›Das 7. Orchester zur See‹ – drei abgehalfterte Matrosen und ein Butterfahrtensänger spielen Musik von Mozart bis Zappa, von Sinatra bis zum Shanty, unterbrochen von Seemannsgarn, Chaos und Unverschämtheiten.


Klecks Theater / hannoversche kammerspiele

„Theater ist der letzte Urwald mit unerschöpflicher Ressource, unausbeutbar, Quell steter Hoffnung auf nachwachsende Menschlichkeit …“ In diesem Sinne verhandelt Theaterleiter Harald Schandry in seinen Produktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene das Leben mit all seinen Risiken, Chancen und brennenden Anliegen. Inklusive ungemütlicher Themen wie Sucht und Gewalt, aber auch mit funkelnder Unterhaltung.

Das Klecks Theater nimmt Kinder auf leichte Weise ernst und begegnet ihnen auf Augenhöhe. Die hannoverschen kammerspiele schaffen dem erwachsenen Publikum eindringliche Anlässe zum Betrachten und Erörtern dessen, was ist und was sein könnte.

Das Klecks Theater, gegründet 1987, hat ein riesiges Repertoire und erhielt zahlreiche Auszeichnungen: vom Deutschen Kindertheaterpreis für ›Jonna Ponna!‹ bis zur Einladung zum Norddeutschen Theatertreffen mit ›Der Kick‹. Die Erwachsenensparte hannoversche kammerspiele schickt seit 2002 Schauspieler auf Expeditionen in eine unmittelbare Darstellung. Zum Beispiel mit ›Durst‹ nach dem Roman von Michael Kumpfmüller über einen authentischen Fall von tödlicher Kindervernachlässigung, ›Steht auf, wenn ihr Rote seid‹ von Jörg Menke-Peitzmeyer über einen Fußballfan oder ›Schuldig geboren‹ von Peter Sichrovsky über Söhne und Töchter von Nationalsozialisten, die das Schweigen brechen.

Bis zu 177 Plätze fasst das Alte Magazin als Guckkastenbühne, der Saal ermöglicht aber auch andere Raumkonzepte. Das Klecks Theater spielt außerdem in Kindergärten, Schulen, Freizeitheimen, Justizvollzugsanstalten oder open air. Viele Haupt- und Förderschulklassen kommen ins Haus, das vor über 100 Jahren als Kulissendepot des königlichen Hoftheaters errichtet wurde.


Theater Corinna v. Kietzell

Seit 1981 ist Corinna von Kietzell in der Freien Theaterszene zu finden, zunächst mit Puppenspiel in Cookies Welttheater, dann im Theater Gilgamesch und schließlich als Clown Lizzie.

1986 gründete sie TuT – die Schule für Tanz, Clown und Theater und bietet seit 1992 im Team die erste Clownausbildung in Deutschland an. Seit 2006 bildet sie mit einer weiteren Frau und zwei Männern das ›Quartetto Parlando‹. Sie bieten ein vielfältiges Gesangsrepertoire mit spielerischen und komischen Elementen. Mit Klaus Wössner tritt sie seit 2007 als ›Carola und Caspar‹ auf. Nach ihrer Produktion ›Wer von uns … ein musikalisches Gaunerstück‹ hat im November das zweite Stück ›AchDuLiebeZeit – eine musikalisch-komische Betrachtung über die Zeit‹ im Theater in der List Premiere.

Die Komik mit ihren verschiedenen Facetten zieht sich als roter Faden und Bindeglied durch ihr Berufsleben, angefangen bei ihrer Lehr- und Leitungstätigkeit im TuT bis hin zu ihren Bühnenauftritten.


Oper an der Leine

Die Oper an der Leine ist ein Team junger professioneller Musiker, die in ihrer gemeinsamen künstlerischen Arbeit Ideen und Konzepte verwirklichen, die im traditionellen Opernbetrieb in der Form nicht umsetzbar sind. Sie inszenieren kaum gespielte und insbesondere zeitgenössische Werke, die in Stadttheatern selten oder nie ein Forum finden.

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, vergessene oder noch unbekannte Opern für ein breites Publikum zugänglich zu machen – das bedeutet eine verständliche szenische Umsetzung der oft schwer zugänglichen Musik. Sie präsentieren ein lebendiges Musiktheater, das das menschliche Leben in all seinen Höhen und Tiefen zeigt, schön und schrecklich, lustig, erhaben und traurig, aber niemals langweilig.Die Oper an der Leine bespielt neben klassischen Theaterräumen auch ungewöhnliche Aufführungsorte wie etwa Kirchen, Schulen oder ein Zirkuszelt. Sie passen die Produktion jeweils den örtlichen Gegebenheiten an und integrieren sie in die Eigenheiten des Spielorts.

Das Ensemble möchte vor allem junge Menschen an die Gattung Oper heranzuführen und ihnen den Einstieg in das von ihnen oft als fremd und unzugänglich empfundene Metier erleichtern. Der Kontakt zwischen Ensemble und Publikum ist nicht nur auf den Besuch der aktuellen Inszenierung beschränkt. Sie bieten Workshops und Probenbesuche an, um bei jungen Zuschauern Schwellenängste abzubauen und das Interesse am Medium Oper zu wecken.

Die bemerkenswertesten Inszenierungen der letzten Jahre waren die EU-Produktion ›La Quintrala‹ von Lars Graugaard im Rahmen des Programm Cultur 2000 mit Gastspielen in Berlin, Schweden und Dänemark und ›Der Kaiser von Atlantis‹ von Viktor Ullmann, eine Koproduktion mit der Volksoper Wien und dem Tonkünstlerorchester Niederösterreich. Für 2009 ist ›Das Märchen von Hänsel und Gretel‹ für die Kinderkonzerte des NDR geplant.


TheaterErlebnis

Mit allen Mitteln des Theaters – Sprache, Musik, Rhythmus, Bewegung, Farbe, Licht und vielem mehr – erzeugt das TheaterErlebnis Bilder und Geschichten, die in den Köpfen und Herzen der Zuschauer lebendig werden: Der Theaterbesuch als ein unvergessliches Erlebnis, das ist sein Ziel. Das TheaterErlebnis spielt klassische, moderne und auch selbst geschriebene Stücke. Das Motto seiner Theaterarbeit in allen Inszenierungen bleibt immer: ›Etwas bewegen – mit allen Sinnen.‹

Das mobile TheaterErlebnis hat in der Vergangenheit in Hannover viele besondere Räume erschlossen: Ein leer stehender Supermarkt, der Güterbahnhof, das Rathaus, der Stadtpark, das Expo Café, ein Keller, Theaterwerkstatt Hannover: „Der blaue Stuhl“ nach einem Bilderbuch von Claude Boujon mit Matthias Alber, Michael Habelitz und Winfried Wrede in der Regie von Martina van Boxen. Foto: Klaus Fleige Oper an der Leine: „Das Zauberbuch“ von Peter Stamm mit Tilman Birschel und Daniel Ponader in der Inszenierung von Hans- Peter Lehmann. Foto: Karin Blüher „Offstage“ vom Theater am Barg von und mit Christiane Hess in der Regie von Bernd Schramm. Foto: M. Letsch Büchereien und eine Kneipe wurden zeitweise zur Bühne.

In ganz Niedersachsen spielt das Theater rund 140 Vorstellungen pro Jahr. Darunter sind Inszenierungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Bereichen Schauspiel, Literatur & Musik und Unterhaltung.

Das TheaterErlebnis wurde 1999 von Tim von Kietzell gegründet, seit 2007 führt er es gemeinsam mit Willi Schlüter (ehemals Theater der Jugend in der Helmkestraße und Theater Bringdienst). Um die beiden Theaterleiter gruppiert sich ein kreativer Pool aus ungefähr 15 Schauspielern, Musikern und Bühnenkünstlern. Seit 2008 hat sich das TheaterErlebnis mit dem Theater in der List in einem ehemaligen Aldi- Markt eine eigene Spielstätte mit 99 Plätzen aufgebaut. Als mobiles Theater bringt das Ensemble aber auch weiterhin seine Produktionen in andere Bühnen, Schulen, Kindergärten und sonstige Veranstaltungsorte, auf Feste und Feiern.


Theaterwerkstatt Hannover

Das Theater ist ein Ort, an dem Utopien entstehen – und hier werden sie sinnlich erfahrbar gemacht. Stückvorlagen, theaterfremde oder eigene Texte bilden die Grundlage der Inszenierungen, bei denen immer die Synthese aus Sprache, Bewegung, Raum, Licht und Musik im Vordergrund steht. Darunter sind viele Ur- und deutschsprachige Erstaufführungen, etwa ›Ein Wort ist ein Wort‹ von Michael Ramløse, ›Die Twin Towers von Babel‹ von Suzanne van Lohuizen oder ›Bohm und Böhmer‹ von Lars Vik.

Anspruchsvolle Inszenierungen für Kinder schon ab drei Jahren, für Jugendliche und Erwachsene stehen gleichberechtigt nebeneinander, die meisten Vorstellungen kann man mit der ganzen Familie besuchen. Im Weltkindertheaterverband beteiligt sich die Theaterwerkstatt Hannover an fortgesetzten Qualitätsdebatten – so wird das Kindertheater zur Inspirationsquelle für ihre gesamte Arbeit und trägt zur ständigen ästhetischen Weiterentwicklung bei.

1976 von Absolventen der Hochschule für Musik und Theater Hannover gegründet, ist die Theaterwerkstatt das älteste Freie Theater in der Stadt, unzählige Gastspiele und Festivaleinladungen haben sie bundesweit zu einem der bekanntesten gemacht. Auf Einladung des Goethe-Instituts reiste sie bereits nach Litauen, Japan und Korea.

Die Theaterwerkstatt Hannover hat eine eigene Spielstätte mit zwei Bühnen im Kulturzentrum Pavillon, als Veranstalter und Partner kooperiert sie mit in- und ausländischen Theaterkollegen und Kulturanbietern. Der kleine Saal hat bestuhlt 40 Plätze, bei Kindervorstellungen bis zu 70. Der große Saal bietet 80 bis 120 Plätze. Für Schulen und Kindergärten werden Gruppenvorstellungen angeboten.


TuT – Schule für Tanz, Clown und Theater

TuT – die Schule für Tanz, Clown und Theater – wurde 1986 von Schauspielern, Clowns und Tänzern gegründet. Fünf feste Lehrkräfte und mehr als 20 Gastdozenten aus ganz Europa vermitteln den jeweils 16 Schülern einer Clown-Klasse in eineinhalb Jahren Vollzeit oder in dreieinhalb Jahren berufsbegleitend die handwerklichen Fähigkeiten, als professioneller Clown aufzutreten.

Ganz besonderen Wert legt die Schule darauf, die Clowns darin zu unterstützen, ihre Talente zu erkennen und ihren eigenen künstlerischen Weg zu finden. Denn ein Clown muss heutzutage nicht unbedingt ein weißes Gesicht und eine rote Nase tragen. Als Teil der Abschlussprüfung der staatlich anerkannten Ausbildung gehen die Absolventen mit einer eigenen Bühnenshow auf ihre erste Tournee und sind dabei Autoren, Darsteller und Regisseure in einem.

Mit oder ohne rote Nase haben Clowns vor allem im Event-Bereich, auf Messen, Festivals und Jubiläen gute Berufsaussichten. Die Konkurrenz als Bühnenkünstler auf der Kleinkunstbühne ist groß. Aber nicht jeder Absolvent möchte als Clown seinen Lebensunterhalt bestreiten. Manche betreiben danach ihr clownesk-komisches Schaffen als Nebenberuf oder intensives Hobby. Die Entdeckung des eigenen Clowns, die Reise zum inneren Kind, die (Wieder-) Belebung von Humor im eigenen Alltag, während der Ausbildung und danach – all dies wird oft als persönliche Bereicherung erlebt.

Manche der Absolventen entscheiden sich daher, das in der Ausbildung Gelernte und Erfahrene in ihren bisherigen Berufen zu integrieren und zum Beispiel ihr Clowns- und Narrenspiel in sozial-kommunikativen oder pflegerischen Bereichen einzusetzen. Mit solidem handwerklichen Können und hohem künstlerischen Niveau, aber befreit von existentiellen Sorgen, leben sie so viel entspannter und zufriedener ihren künstlerischen Traum. TuT bietet außerdem zahlreiche Fortbildungen im theater- und tanzpädagogischen Bereich an sowie zu den Tanzrichtungen Butoh, Contactimprovisation und Body-Mind Centering.


Schattentheater Vagantei Erhardt

Während asiatische Schattentheaterfiguren aus Pergament gefertigt sind und an Stäben bewegt werden, entstanden in Europa Figuren aus Pappe, Holz oder Metall. Durch das festere Material sind die Figuren belastbarer und können mit Fadenzügen besser animiert werden. Mit bis zu 17 Bewegungsmöglichkeiten, angefangen bei den Lidern und dem Mund über die Hände und den Rumpf bis zu den Beinen, kann eine Figur zum Leben erweckt werden.

Die Vagantei Erhardt verschaffte dem Figurenschattentheater eine Renaissance in Deutschland. Sieben Künstler und Künstlerinnen arbeiten seit 1987 unter der Leitung von Frieder Paasche zusammen. Das ›hölzerne Ensemble‹ besteht aus über 500 Figuren, die überwiegend von bildenden Künstlern entworfen wurden. Sie werden frei im Lichtraum oder auf einer oder mehreren Schienen, an Fäden hängend oder mit Stäben belebt. Dabei werden sie von unterschiedlichen Lichtquellen und Farbglasprojektoren in Szene gesetzt. Seit 2003 bereichern historische böhmische Marionetten das Ensemble. Die über 150 Figuren stammen zum größten Teil aus den Jahren 1880 bis 1900.

Vagantei Erhardt wurde zu zahlreichen nationalen und internationalen Festivals eingeladen und zeigt seine Stücke teilweise in bis zu vier Sprachen. Als feste Spielstätte dient das Theatermuseum des schauspielhannover. Zum 20-Jährigen Jubiläum des Figurenschattentheaters richtete das Theatermuseum ein biennales Schattentheaterfestival unter der künstlerischen Leitung von Frieder Paasche ein. Die Jubiläumsproduktionen ›Tingeltangel‹ und ›Bilder einer Ausstellung‹ zeigen, wie vielfältig und dynamisch Schattentheater ist.


theater am barg

Das theater am barg wurde 2003 von Christiane Hess gegründet. Nach ihrer Ausbildung zur Schauspielerin und Figurenspielerin an der École Jacques Lecoq in Paris und der Central School of Speech and Drama in London und mehrjähriger Tätigkeit in England, widmete sich die gebürtige Neustädterin nach ihrer Rückkehr nach Deutschland der Bühnenumsetzung regionaler, niedersächsischer Sagen und Legenden. Ihre technisch unaufwändigen Solotheaterprogramme in einer Mischung aus Erzähl-, Masken und Objekttheater zeigt die Spielerin bei Gastspielen für Erwachsene auf kleinen bis mittleren Bühnen, in Schulen, bei Festivals und bei geschlossenen Veranstaltungen.

An der Entwicklung der Programme sind wechselnde Mitarbeiter – Hendrik Mannes, Arnd Rühlmann, Bernd Schramm, Miriam Goldschmidt, Katrin Decker – beteiligt. Christiane Hess, die seit 2004 als Theaterpädagogin am Theater Hameln arbeitet, bietet mit dem theater am barg zudem neben ihren Bühnenprogrammen auch Schauspielseminare für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, schreibt und entwickelt Stücke für generationsübergreifende Theatergruppen und führt Regie. Christine Kolanus


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