Freies Theater im Osnabrücker Land


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Piesberger FreiLAUFtheater

Zum Schluss soll hier ein Projekt vorgestellt werden, das professionelles Theater und Amateurtheater verbindet und die Lebendigkeit der Theaterszene in Osnabrück verdeutlicht: das Piesberger FreiLAUFtheater.

Seit 5 Jahren schickt die Regisseurin Sigrid Graf Schauspieler/innen und Publikum ins Gelände. Der Begriff Piesberger FreiLAUFtheater umschreibt eine Veranstaltungsform, in der Orte rund um den Piesberg (Steinbruch, Mülldeponie, Kanal, Industrieruinen, Zechenbahnhof, alte Villen etc.) zu Schauplätzen eines theatralen Geschehens werden und das Publikum sich gemeinsam mit den Akteuren durch diese ›Theaterlandschaft‹ bewegt – zu Fuß, mit Eisenbahn, Bus, Draisine etc.

Profis und Amateure verschiedener Sparten arbeiten zusammen. Das gemeinsame Ziel schafft Verbindungen zwischen vielen verschiedenen Menschen und ›Werkstätten‹. Üblicherweise ist Soziokultur eher unspektakulär. Hier aber wird bewiesen, dass auch ein großes Theater-Event geschaffen werden kann.

Gesellschaftlich relevante und aktuelle Themen werden mit Mitteln des Theaters, der Musik, des Tanzes, des Films, und der bildenden Kunst bearbeitet. Durch die ungewöhnliche Form des FreiLAUFtheaters wird der Zugang erleichtert und eine Auseinandersetzung angeregt. Die Besucher werden ›berührt‹. So gelingt es, verschiedene Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zusammenzubringen. Und das gilt nicht nur für die Mitwirkenden auf der Bühne – auch das Publikum setzt sich aus Stadt und Land, aus Jung und Alt zusammen.

Aber auch hier sorgt die fehlende Tradition Freien Theaters in Osnabrück für kleine Hindernisse: In jedem Jahr rollt das Projekt leise und langsam an, obwohl es in den Medien präsent ist, und erst ganz am Schluss haben viele Theaterinteressierte mitbekommen, dass da außerhalb des städtischen Theaters etwas völlig Schräges und Faszinierendes im Theaterbereich passiert. Wenn sie dann den Weg gefunden haben, sind sie restlos begeistert, denn es wird ein Rahmen geschaffen, in dem sie auch aktiv werden können und – wenn sie wollen – auch ein wenig in das Spielgeschehen eingreifen können.

In Wanderschuhen und mit Thermoskanne sind sie für die etwa 2,5-stündige Theaterwanderung bestens gerüstet. Wer sich aber vor matschigen Nachtwanderungen und dunklen Tunneln allzu sehr fürchtet, der ist im heimischen Puschenkino besser aufgehoben.


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