Existenz ohne Sicherung – Brandbrief zum niedersächsischen Stipendienprogramm für soloselbstständige Kulturschaffende

Pressemitteilung des Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände vom 10.08.2021

Nach Ausbruch der Corona-Krise im Frühjahr 2020 hatten die niedersächsischen Kulturverbände im Arbeitskreis akku auf Forschungsstipendien sowie die Förderung von Rechercheprojekten und digitalen Formaten gedrängt. Sie sollten das künstlerische Arbeiten pandemietauglich machen und zur existentiellen Sicherung der Künstler*innen beitragen. Ein Jahr nach Ankündigung des Programms durch Minister Thümler wurde nun das Stipendienprogramm für Kunst- und Kulturschaffende veröffentlicht.

Mit einem Brandbrief vom 4. August 2021 an den niedersächsischen Ministerpräsidenten, den Minister für Wissenschaft und Kultur, den Finanzminister und die Mitglieder des Niedersächsischen Landtags weist akku auf eklatante Mängel des Programms sowie Angebote in anderen Bundesländern hin:

  • Die Ausschreibungsfrist ist mit einem Monat – zumal in der Sommerzeit – deutlich zu knapp geraten. (Hinweis des LaFT: Ein kleiner Erfolg wurde erreicht und die Bewerbungsfrist  offiziell bis zum 31.08.2021 verlängert.)

  • Der Etat von 2 Millionen Euro fällt im Ländervergleich sehr niedrig aus – für die Künstler*innen ein weiteres Zeichen für die als gering empfundene Wertschätzung des Landes ihnen gegenüber.

  • Film- und Medienschaffende werden beim aktuellen Programm neuerlich nicht berücksichtigt.

  • Das Programm wurde trotz regen Kontakts ohne Vorabinformation oder Rücksprache mit den zuständigen Landesverbänden veröffentlicht und damit die entsprechenden Expertisen außer Acht gelassen.

  • Nicht zuletzt fördert das Programm keine Honorare der Antragsstellenden – damit können die Soloselbstständigen ihre eigene Arbeit und ihre Arbeitszeit nicht anrechnen. Ein Programm, das einen solchen Ausschluss vorsieht, geht zum einen an den aktuellen Bedarfen der Soloselbstständigen vorbei und kann zum anderen schlichtweg nicht unter dem Begriff des Stipendiums firmieren.

Mit der Veröffentlichung des Arbeitsstipendiums im Juli 2021 war Niedersachsen eines der letzten Länder, welches seinen Kulturschaffenden mit einem angepassten Förderinstrument unter die Arme greifen wollte. In anderen Bundesländern ist man längst weiter: So gab es schon im Mai 2020 in Rheinland-Pfalz ein Hilfsprogramm für Künstler*innen, das mittlerweile im dritten Durchgang ist. Hier werden seitdem insgesamt 7,5 Millionen Euro für Projektstipendien eingesetzt, bei denen selbstverständlich Honorare für die Kunstschaffenden mitgedacht sind. In Bremen wurde das Programm gemeinsam mit der Szene entwickelt. Es wurde im November 2020 gestartet und beläuft sich mittlerweile auf 6,65 Millionen Euro. Ein Nachweis über die Verwendung der Mittel wird nicht gefordert - es werden Pauschalsummen gezahlt.

akku fordert die niedersächsische Politik in seinem Offenen Brief unter anderem auf:

  • Vertrauen in die Akteur*innen der vielfältigen freien Kulturszene zu fassen und passgenau zu fördern.

  • Förderkriterien gemeinsam mit kompetenten Partner*innen aus den Verbänden zu erarbeiten.

  • Nicht die Sicherung von prekärem Überleben, sondern langfristige Perspektiven und Mittel für ein auskömmliches und blühendes Kulturleben in Niedersachsen im Fokus zu haben.

Den gesamten Brandbrief finden Sie hier zum Download.

Bei Fragen und für Auskünfte melden Sie sich gerne bei:

Johanna Helene Bangert, Geschäftsführung Landesverband Soziokultur in Niedersachsen e.V., Telefon: 0511 590904-62, Email: bangert@soziokultur-niedersachsen.de bangert@soziokultur-niedersachsen.de

Hannah Jacob und Martina von Bargen, Geschäftsführungsteam Landesverband Freier Theater in Niedersachsen e.V., Telefon: 0511 35 34 963 oder 0511 35 35 486, Email: laft@laft.de

 Im Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände organisiert sind:

Film & Medienbüro Niedersachsen e.V., Landesarbeitsgemeinschaft Jugend & Film Niedersachsen e.V., Landesarbeitsgemeinschaft Rock e.V., Landesverband Soziokultur in Niedersachsen e.V., Landesmusikrat Niedersachsen e.V., Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen e.V., Landesverband Freier Theater Niedersachsen in Niedersachsen e.V., Landesverband niedersächsischer Musikschulen e.V., Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen e.V., Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Niedersachsen e.V., Literaturhäuser Niedersachsen und Friedrich-Bödecker-Kreis in Niedersachsen e.V., Museumsverband Niedersachsen und Bremen e.V., Niedersächsischer Heimatbund e.V.; assoziiert: Bundesakademie f. kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V.



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